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Sonntag, 1. Mai 2016

"Baby Tish", part 3: Resistance was futile - our baby shower

Auch wenn mir versichert wurde, dass "baby showers" oder "Babyparties" in Deutschland im Kommen sind, war ich von der Idee nicht sonderlich begeistert. Das Baby zu feiern, bevor es geboren ist: Das bringt doch nach alter norddeutscher Tradition Unglück. Geburtstage feiert man nicht vor! Aber hier in den USA sieht man das nicht so streng.


Da "wir" uns am Ende der baby shower von Alex' Kollegen mit den Worten "Das müssen wir unbedingt noch einmal machen - so etwa in einem halben Jahr." als schwanger geoutet hatten, war schon irgendwie klar: Um eine baby shower nach US-amerikanischer Tradition kommen wir nicht drumrum. Ausgerichtet wurde sie dann - dieser Tradition folgend - von Alex' Arbeitskollegen, die auch die Gäste stellten.

Angesetzt war die Feier auf vergangenen Samstag (23. April, ich war da bei 38+2), von 14 bis 17 Uhr, es gab Kekse, Kuchen und Eis, dazu Kaffee, Tee, Limo ... Wir hatten - entgegen der hiesigen Tradition - das Geschlecht vorher nicht offiziell bekannt gegeben (und wir sind auch immer noch für eine Überraschung gut, falls das Outing beim Organ-Ultraschall falsch gewesen sein sollte), uns widerstrebte eine baby shower in rosa/pink bzw. babyblau.

Und was wäre eine baby shower ohne Spiele! Da hatten sich unsere Gastgeber einiges einfallen lassen.
1. "Baby Food Pong" - angelehnt an das (College-?) Spiel "Beer Pong" mussten die Gäste mit einem Tischtennisball in Becher zielen, zu jedem Becher gehörte eine Nummer, zu jeder Nummer ein unetikettiertes Gläschen Babynahrung. Dann sollte zunächst anhand der Optik und dann anhand eines Geschmackstests entschieden werden, wobei es sich handelt. Glücklicherweise mussten wir nicht daran teilnehmen!  Für mich sah das alles sehr nach tot pürierten "50 shades of orange" aus ... 

2.  "Guess her circumference" - alle Gäste mussten Paketschnur von einer Rolle abschneiden und auf diese Art und Weise meinen Bauchumfang raten. Die meisten hatten sehr großzügig überschätzt, anderen konnte ich eher dankbar sein und der mit Abstand höchste Schätzwert machte mich offiziell zu einer Kugel (die Schnur war sogar länger als ich groß bin). Oder anders gesagt: Es blieben selbst beim Bauchumfang von Alex und mir nebeneinander noch einige Centimeter übrig ... Der beste Tipp kam von 13-jährigen Zwillingen, die jeweils nur 2 cm drüber bzw. drunter lagen! (Des Rätsels Lösung: 118 cm.)

3. Die Tippliste - gesammelte Vermutungen darüber, wann (Datum und Uhrzeit) "Baby Tish" (Junge oder Mädchen) das Licht der Welt erblickt. Ich selbst war überfällig (und habe das auch mitgeteilt), so dass viele Tipps ebenfalls jenseits des 5. Mai (vET) liegen. Eine ähnliche Liste habe ich von meinen Schülern erstellen lassen, da gibt es eine eindeutige Häufung am 11. Mai. Mal schauen. Ich kann nur sagen: Euer Tipp ist so gut wie meiner! Zumindest hat sich mit heute mein Wunsch erfüllt, einen "Maikäfer" zu bekommen.


Und dann gab es ja noch Geschenke ... Jede Menge sogar, ich bin von der Großzügigkeit immer noch ganz erschlagen! Wir hatten im Voraus eine Wunschliste online gestellt und von selbiger zwar nicht alles, aber vieles bekommen. Und - obwohl wir das nicht explizit gesagt hatte - glücklicherweise kein batteriebetriebenes Spielzeug! Und die "großen" Sachen wie Babybett (--> Ikea, die US-Modelle sagten uns mir nicht zu), Kinderwagen und Kindersitz sowie unsere DIY-Wickelkommode (--> recyclelt von Ikea plus Home Depot) hatten wir uns schon selbst gegönnt.

Stattdessen gab es in weiser Voraussicht von erfahrenen Müttern Windeln, Windeln, Windeln (die ich zuvor in weiser Voraussicht noch nicht gekauft hatte), eine schöne große Spieldecke (und eine zweite noch größere, die mit Wasser gefüllt ist oder wird für "tummy time"), etliche Beißringe etc., wenn das Zahnen losgeht, Stoffbücher, eine Neugeborenentrage (Baby K'tan), eine Babybadewanne und noch etliche Kleidungsstücke, von denen die meisten aber zum Reinwachsen sind. Wir haben selbst ganz wenige Sachen in Größe 50/56 (US: newborn size) gekauft, denn seien wir mal realistisch: Unser Genpool, ET wahrscheinlich nach vET - da haben wir den Schwerpunkt lieber auf Größe 56/62 bzw. 62 (0-3 months) gelegt. Nachkaufen kann man bei Bedarf immer noch ... Und je nach Marke fällt ohnehin alles soooo unterschiedlich aus!

In den USA ist es üblich, dass alles gleich vor Ort nahezu zeremoniell ausgepackt wird. Uns (und den Gastgebern) hätte es nichts ausgemacht, wenn dafür nicht die Zeit geblieben wäre, aber das war (nun einmal) der Fall. Außerdem war die vierjährige Tochter von Alex' Chef zu heiß darauf beim Auspacken zu helfen. Hoffentlich ist es uns gelungen, die ganze Zeit über hinreichend erfreut auszusehen! Denn das waren wir wirklich und sind es immer noch.


Aber von nun an ist die Hauptbeschäftigung "produktives Warten auf den großen Moment". Ich bin gerade fast ein bisschen froh darüber, noch meine zwei Stunden pro Tag zu unterrichten. Das lenkt die Gedanken ab. 

Meine Kollegin, die auch eine baby shower schmeißen wollte, konnte ich "German Style" auf irgendwann nach der Geburt vertrösten. Vielleicht machen wir es uns dann irgendwann im Sommer aber einfach und laden schlicht zum Grillen ein.

 

Samstag, 19. März 2016

"Baby Tish", part 2: parental leave vs. Elternzeit

Mittlerweile sind es (nur noch) weniger als 50 Tage bis zum voraussichtlichen Geburtstermin von Baby Tish. In Panik sind wir trotzdem noch nicht verfallen, im Gegenteil sind wir seit unserem Intensiv-Geburtsvorbereitungskurs noch entspannter als zuvor. Gute Voraussetzungen, oder?


In Deutschland hätte jetzt mit den (niedersächsischen) Osterferien mein Mutterschutz begonnen. Sechs Wochen vorher, acht Wochen nachher, voll bezahlt; anschließend Elternzeit, 1-2 Jahre, je nach Dauer zu einem Bruchteil des vorher erhaltenen Gehalts, aber mindestens 300€ (plus Kindergeld). Eltern in Deutschland kennen das, da erzähle ich nichts Neues.

Erzähle ich von den deutschen Regelungen aber meinen Kolleginnen hier, ernte ich große Augen, staunende Blicke oder auch schon mal eine Aussage wie: "Da würde ich ja sofort nach Deutschland zurückziehen."

Denn neben Papua-Neuguinea (ich dachte, es sei Ost-Timor, aber gut ...) sind die USA das einzige von 180 Ländern global ohne gesetzliche Regelung zu einem bezahlten Mutterschutz/Elternzeit bzw. "parental leave" oder "paid family leave". Und natürlich hat sich auch schon zu diesem Thema der von mir überaus geschätzte John Oliver geäußert - zeitlich passend zum Muttertag 2015: 



Unter unseren europäischen Freunden sorgt dies für regelmäßiges Kopfschütteln und die Nachfrage "Warum ist das so?". Nun, wie auch John Oliver präsentiert, wird als Argument oft der "Schutz des Arbeitgebers" zitiert - obwohl diesem nachweislich durch bezahlte Elternzeit kein Nachteil entsteht. Aber Wirtschaftslobbyismus ist dafür offensichtlich zu fest verankert ...

Auch die jetzige Regelung von bis zu zwölf unbezahlten Wochen parental leave wurde erst 1993 im Rahmen des FMLA (Family Medical Leave Act) als erster Amtsakt von Bill Clinton verabschiedet. (Mehr hier.) Das Revolutionäre daran ist tatsächlich "nur" die gebotene Jobgarantie, wenn man bis zu zwölf Wochen unbezahlte Auszeit vom Job nimmt, um sich entweder um Neugeborene oder auch pflegebedürftige Angehörige zu kümmern. Wenn man es sich leisten kann ...


Nun, was das Ganze für uns persönlich bedeutet ... Zunächst einmal haben wir festgestellt, dass der Mai ein praktischer Geburtsmonat ist. Denn Anfang Juni endet die Unterrichtszeit und ich musste nur bis zu diesem Datum (der "end of instruction period") parental leave beantragen. Das wären so etwa sechs Wochen, vorausgesetzt, ich arbeite tatsächlich bis zur Entbindung. Und das habe ich bislang vor, wenn weiterhin alles so komplikationsfrei verläuft.


Andernfalls bliebe mir nur eine offizielle Krankschreibung. Und diese "sick days" (bezahlte Abwesenheitstage wegen Krankheit), von denen ich in den letzten drei Jahren einige angesammelt habe, werden derzeit auf die Dauer meines parental leave angerechnet. Kurzum: Käme "Baby Tish"tatsächlich am errechneten Entbindungstermin, müsste ich nur sechs Tage auf Lohn verzichten, die mir vom Maigehalt abgezogen werden. Lässt "Baby Tish" sich Zeit, könnte es ggf. dazu kommen, dass ich tatsächlich keine Gehaltseinbußen habe.

Aber ja (mit Grüßen v.a. an meine Mama ...), natürlich stelle ich die Gesundheit von Baby und mir vor den ein oder anderen oder doch mehrere unbezahlte Tage ... Wenn es gar nicht mehr geht, lasse ich mich krank schreiben. Zurzeit bin ich aber noch ganz fidel und ich hoffe, das bleibt mir auch noch ein Weilchen erhalten. Meine Stunden zum 1. März reduziert zu haben, hat da sicherlich auch schon geholfen. Und meine Schüler werden (im Rahmen ihrer pubertären Möglichkeiten) auch zunehmend rücksichtsvoller, je größer Bauchi wird. Und Babysitterangebote habe ich von zwei der Mädels auch schon bekommen.

Und ich werde auch tatsächlich in den Genuss von einem (Schul-) Jahr Elternzeit kommen. Weil wir es uns leisten können? Nicht ganz bzw. nicht nur.
Weil uns nichts anderes übrig bleibt, aus aufenthaltsrechtlicher Sicht.

Wir dürfen bald nicht mehr unter unserem J-Austauschwissenschaftler-Visum in den USA sein, weil dessen Maximaldauer auf fünf Jahre begrenzt ist. Die wären im Februar 2017 erreicht. Soll heißen, Alex wird befördert, wir wechseln auf ein H1B-Visum (H wie hochqualifiziert) und ich bleibe zu Hause, weil Ehepartner unter diesem Visum so einfach keine Arbeitserlaubnis beantragen dürfen (um das Visum weniger attraktiv zu machen). Es sei denn, es wurde permanent residency (=Green Card) beantragt. Und ja, das werden wir machen, auch wenn es uns länger in den Staaten hält als wir es jemals erahnt hätten ...

Alex hatte diese Beförderung schon zweimal ausgeschlagen, weil er mich nicht zum Hausfrauendasein verdonnern wollte. Aber mit Hausfrau-und-Mutter-Dasein kann ich mich für ein Jahr abfinden. :) Denn wir sind in der glücklichen Situation, dass uns unsere beiden Arbeitgeber halten wollen. Das hat in meinem Fall noch für eine verwaltungstechnische Diskussion gesorgt, denn: Jobgarantie gibt es halt nur für maximal zwölf Wochen. Aber auch hier fand sich ein vertragliches Schlupfloch, so dass ich zum Schuljahr 2017/18 meine Stelle wieder sicher habe. Yeah!

Alles in allem haben wir damit (abgesehen vom fehlenden Eltern- und Kindergeld, auf das wir keinen Anspruch haben) eine recht deutsche Elternzeitlösung gefunden. Alex ist mit seiner "paid time off" auch recht flexibel und wird vielleicht mehr von daheim arbeiten (oder doch auf Arbeit flüchten wollen?).

Bleiben nur noch meine beiden Sorgen (an denen ich aber nichts ändern kann): Wer wird mich vertreten? Idealerweise ja nicht nur bis zum Schuljahresende, sondern gleich auch für das nächste Schuljahr hinsichtlich einer gewissen Konstanz. Meiner Siebten stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, dass ich für ihre achte Klasse leider nicht zurückkehren werde/kann/darf. Aber die Stelle ist ausgeschrieben und nach eigener Aussage hat meine Direktorin ein Ass im Ärmel. Ich darf wohl bei den Vorstellungsgesprächen dabei sein und mitreden (falls es mehrere Bewerber geben sollte) ...


Und dann ist da als zweite Mini-Sorge noch mein kleines Horrorszenario, dass ich im Unterricht einen Blasensprung habe. Vor meiner Siebten (in der Achten traue ich den Mädels eher zu einen kühlen Kopf zu bewahren). Auf den Klassenzimmerteppich. Aber auch die Sorge ist mir seit dem letzten Wochenende und durch die Hebamme schon nahezu komplett genommen.

Sonntag, 7. Februar 2016

„Baby Tish“, part 1: prenatal appointments



Wer den Schluss des letzten Blogeintrags nur überflogen hat, wird es vielleicht noch nicht wissen. Dann aber spätestens jetzt. „Baby Tish“ ist der Projektname, den meine 8. Klasse unserem Nachwuchs verpasst hat. „Wenn Sie uns schon nicht sagen wollen, was es wird, dürfen wir dann ‚Baby Tish‘ sagen?“ Aber klar doch, dennoch danke fürs Nachfragen.


Unser Nachwuchs hat sich überraschend, aber nicht ungeplant eingestellt, wie das halt oft so ist. Eine Freundin, die Ende Dezember 2014 herausfand, dass sie schwanger ist, hatte uns schon prophezeit: „You are next!“ Und das traf dann auch zu. Schwanger in einem fremden Land bedeutet in diesem Fall einerseits die doppelte Staatsbürgerschaft für unseren Nachwuchs (US by birth, German by blood); andererseits musste ich auch alles, was ich an Vorsorgeuntersuchungen und Arbeitsschutzgesetzen in Deutschland am Rande über Verwandte, Kolleginnen und Freundinnen mitbekommen hatte, über Bord werfen.

Zunächst einmal: Die gesamte Vorsorge (wie dann auch die Geburt) wird von der Mayo Clinic betreut. Dank unserer Krankenversicherung müssen wir für sämtliche Vorsorgeuntersuchungen keinen Pfennig Cent dazu bezahlen.

Alles begann mit dem ersten Ultraschall Mitte September: Ja, ich bin wirklich schwanger. Eine kleine Bohne hatte sich eingenistet. Zwei Wochen später dann (Alex war dabei) die Anamnese, in erster Linie nur eine Bestandsaufnahme unserer medizinischen Vorgeschichte(n) incl. Familiengeschichte. Kurz darauf die erste (und bisher einzige) eingehende (gynäkologische) Untersuchung durch eine Hebamme (RNM – registered nurse/midwife), die hier deutlich mehr Kompetenzen zu haben scheinen als in Deutschland.

Für die weitere Schwangerschaftsvorsorge (ein Termin monatlich, im 3. Trimester dann zweiwöchentlich) wurden wir dann vor die Wahl gestellt: 1. Chefarztbehandlung, 2. Behandlung durch einen resident fellow (Assistenzarzt in Ausbildung, hat den Vorteil, dass die dann auch versuchen werden, bei der Geburt dabei zu sein, weil sie immer nur maximal fünf(?) eigene Patienten haben) oder 3. Centering, von Hebammen geführte Gruppentreffen. Wir entschieden uns für Letzteres.
Warum? Nun … Erstens heißt Chefarztbehandlung noch lange nicht, dass man selbigen auch immer sieht, denn diese sind manchmal zu beschäftigt, gleiches gilt für den eigentlich zugeteilten fellow. Zweitens haben Hebammen/Krankenschwestern meistens ohnehin mehr (praktische) Ahnung. Drittens wissen wir schon alle Vorsorgetermine bis zum ET, sie sind immer an einem Montagabend. Und viertens findet man durch die Gruppentreffen gleich Anschluss zu anderen zukünftigen Eltern.
Wir haben zwar keine Garantie, dass unsere Hebamme, die jetzt das Centering betreut, auch bei der Geburt dabei sein wird, aber um ehrlich zu sein, ist mir das nicht so wichtig, solange Alex da sein wird (zum Anschreien, Sorgen, Bepuddeln …). Bislang waren alle Hebammen, mit denen ich Kontakt hatte, ähnlich nett und kompetent, von daher habe ich keinerlei Bedenken. Schichtwechsel könnten ja auch immer dazwischen kommen …

Mitte Dezember fand dann außerhalb der Centering-Treffen der erste und vermutlich einzige diagnostische Organ-Ultraschall statt. Ja, genau, kein weiteres Baby-TV. Es sei denn, es wird vorm ET noch einmal geguckt werden müssen bzgl. Baby Tish’s Größe o.Ä. Gemacht wurde der von einer spezialisierten ultrasound technician, das Auswertungsgespräch fand dann wieder mit einer nurse statt, die wir schon kannten. Alles dran, alles gut, vielleicht ein bisschen der Zeit voraus – aber wir haben auch keine Illusionen, dass Baby Tish bei unseren Genen auf der kleinen Seite bleibt … Das wäre eher besorgniserregend.

 
It's a ghost! Kopf rechts: Augen, Nase, Mund (und Herz links als Punkt) als schwarze Schatten


Wer suchet, der findet evtl. ein Profil ... ;) (Tipp: Stirn liegt links)


Mitte Januar hatte ich in der 26. Woche (also eher früh dank meiner diversen Risikofaktoren) dann den kleinen Zuckertest (glucose tolerance test). Ich musste vorher nicht fasten, hatte kurz vor 1 normal Mittag gegessen und bin dann um drei zum Termin erschienen, wo ich etwa 150 ml supersüße Sprite trinken musste. Nach einer Stunde (in der mein Kreislauf ordentlich auf Touren gekommen war, ich war rot im Gesicht wie sonst nach 30 min Zumba) wurde dann Blut entnommen – und ich war erleichtert, denn der Wert war deutlich außerhalb des auffälligen Bereichs. Glück gehabt!

Morgen ist wieder eins unseren Centering-Treffen. Wenn wir dort ankommen, werde ich wieder auf die Waage steigen dürfen (und da bin ich beim letzten Mal sehr gelobt worden, weil sich meine Zunahme bislang in einem für mich gesunden Rahmen hält) und mein Blutdruck wird gemessen werden. Daran anschließend hat jedes Paar etwa 10 Minuten individuelle „Babyzeit“, wobei der Fundusstand gemessen und nach Herztönen geschallt wird. Und dann beginnt Quasselzeit, Hebammen gesteuert oder auch als freies Gespräch über was auch immer anliegt und/oder uns bewegt.

Ein weiterer Termin außerhalb dieser Reihe (das werde ich vermutlich im März machen) ist eine Auffrischungsimpfung von Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten (tdap shot), damit auch der Nachwuchs schon ein bisschen immunisiert ist. Aus dem gleichen Grund habe ich mich in diesem Winter  auch erstmals gegen Grippe impfen lassen.

Und dann gibt es noch weitere Dinge, die auch über Mayo, aber außerhalb dieser Reihe angeboten werden. Seit Mitte Januar nehme ich an einem Healthy Pregnancy Program teil, das über zehn Wochen geht und vom Mayo Fitnessstudio (DAHLC) angeboten wird. Dazu gehört auch einmal die Woche (donnerstags) Schwangeren-Aqua-Fit und ein weiteres Mal (dienstags) Schwangerengymnastik (strength training). Schwangeren-Yoga wäre eine weitere Option, da schnuppere ich am 15.2. im Rahmen des Programms mal rein …

Natürlich darf auch ein Geburtsvorbereitungskurs nicht fehlen. Den machen wir (Alex muss/darf mit!) als Intensivkurs an einem Wochenende Mitte März, Freitagabend und Samstag, Besichtigung des birth centers im Mayo Methodist Hospital inklusive. Angeboten wird der über Mayo Clinic Perinatal Education, ebenso wie eine infant car seat safety class Ende März. Vielleicht kommt noch ein weiterer Kurs übers Stillen dazu, mal schauen. Der Geburtsvorbereitungskurs kostet als einziger extra ($50 für zwei, incl. Mittagessen am Samstag), das Healthy Pregnancy Program samt Aquafit und/oder Strength ist kostenlos für mich (für DAHLC-Mitglieder allgemein?), Schwangeren-Yoga kostet pro Stunde $10, glaube ich, die oben erwähnte Schnupperstunde hingegen ist kostenlos.

Zuzahlen müssen wir hingegen für die Geburt (laut Alex‘ Kollegen, der im November Papa geworden ist, sind das im (hoffentlich!) unkomplizierten Fall $2500-3000). Aber die Geburt ist gerade noch ganz weit weg …


Sorry, falls das für den regulären Leser jetzt total uninteressant war … Vergleiche mit Deutschland sind selbst zu ziehen, auch da ist es ja für jeden verschieden, was z.B. die Anzahl der Ultraschalle betrifft, Hebamme vs. Frauenarzt, Klinik vs. Geburtshaus etc. …

Es folgt (irgendwann demnächst) Teil 2: Mutterschutz und Elternzeit.

Samstag, 16. Januar 2016

International Travel - this time with hiccups ...

Allen, denen ich das noch nicht persönlich wünschen konnte: Ein frohes neues Jahr 2016!


Ups, war ja doch etwas länger still hier. Das Leben hat uns halt voll im Griff. Und außer Alltag ist auch nicht viel passiert hier im Südosten Minnesotas, verlassen haben wir selbigen auch nicht. Doch, Alex war im Dezember zu Fortbildungszwecken in Philadelphia, PA. Er hat aber kaum was von der Stadt gesehen und umso mehr vom Labor an der University of Pennsylvania.

Kaum war Alex wieder da, waren wir auch schon wieder weg - Weihnachten in Deutschland. Meine zwei frei wählbaren Urlaubstage hatte ich auf den 4. und 5. Januar gelegt, so dass wir zwei glatte Wochen reisen konnten: am 22. Dezember ging abends der Flieger nach Paris, sodass wir dann am 23. nachmittags in Hannover landeten. Und von dort ging es am 5. Januar auch wieder zurück in die USA, diesmal über Amsterdam. 

Der Hinflug nach Europa war recht ereignislos und ich bangte nur darum, dass der vor mir s(chw)itzende, schnarchende, wandelnde Herzinfarkt es bis nach Europa schaffen würde. An Schlaf war daher nicht zu denken, zu kurzen Nickerchen haben wir dann die jeweils die lange Umstiegszeit in Paris genutzt. Ich schäme mich nicht zu sagen, dort auf dem Boden geschlafen zu haben - nur vielleicht könnte der Teppich etwas weicher und weniger kratzig sein ...

Wie auch immer, ich bin dann ganz gut und (wie meistens) relativ jetlag-frei in Deutschland angekommen - Alex nicht so. Der hing ganz schön durch. Wie immer haben wir die Zeit mit Familien und Freunden sehr genossen, aber durch die Feiertage vergingen die zwei Wochen auch sehr schnell.


Fast forward also zum 5. Januar, unserem ereignisreichen (Ab-) Reisetag. Wir hatten bei der Buchung die Wahl zwischen einem Flug um sechs Uhr morgens oder einem anderen um elf Uhr vormittags - keine Frage, wir nahmen den zweiten. So konnten wir noch mit meinen Eltern gemütlich frühstücken, bevor meine Mutter auf Arbeit verschwand und wir die letzten Sachen packten um uns von meinem Papa zum Flughafen bringen zu lassen. Normalerweise eine dreiviertel Stunde Fahrt.

Wer sich erinnert: Norddeutschland am 5. Januar ... die Straßen waren ein bisschen chaotisch. Kann ja auch niemand damit rechnen, dass es Anfang Januar schneien würde: Wintereinbruch! Nach mehr als drei Jahren in Minnesota lachen wir nur noch darüber ... (Natürlich haben wir hier Schnee, wenn auch in diesem Jahr erst seit Ende Dezember. Und heute beträgt die Tageshöchsttemperatur knackige minus 20°C. Alles eine Frage angemessener Kleidung.) Aber am 5. Januar waren wir froh, dass mein Papa fuhr, den im Straßenverkehr dank seiner ungezählten täglich gefahrenen Kilometer so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Je näher wir Hannover kamen, desto ungeräumter die Straßen. Und ja, ich spreche von der Autobahn! Das letzte (und einzige) Räumfahrzeug hatten wir irgendwo zwischen Walsrode und Schwarmstedt  auf dem Standstreifen fahren sehen ...

Wir kamen dennoch mit massig Puffer am Flughafen Hannover an, denn etwas mehr Zeit hatten wir eingeplant (wir brauchten letztendlich eine halbe Stunde länger, incl. tanken). Die Männer tranken dort noch ihren obligatorischen Kaffee, es gab eine Abschiedsumarmung und dann stellten wir uns an zur Sicherheitskontrolle. 

Ereignis Nr. 1: Wir (und unser Gepäck) hatten den Scanner erfolgreich passiert und ich hatte schon bereits wieder alles eingepackt, als plötzlich einer der Sicherheitsleute auf Alex zukam: "Ich mache mal bei Ihnen einen Sprengstofftest." Alex' Hosenbund und sein Laptop wurden mit einem Teflonband abgewischt, selbiges wurde zur Analyse in eine Maschine geschoben und .... piep piep piep: "Positiv!" Der Sicherheitsmann meinte dann zu Alex: "Öh, ja, warten Sie mal hier, ich muss mal meinen Kollegen von der Bundespolizei dazuholen, der wird mit Ihnen sprechen wollen." Besagter Kollege tauchte auf, sprach mit Alex, währenddessen wurde sein Laptop ein zweites Mal gescannt und abgewischt ... Zu dem Zeitpunkt hatten wir noch eine halbe Stunde bis zum Boarding, aber als der Bundespolizist dann ebenfalls auf seine Uhr schaute, sah ich uns schon den Flieger verpassen. Alex hingegen, so erzählte er mir später, hatte eher Angst darum, dass sie den Laptop, seinen Arbeitsrechner mit allen Daten, sprengen würden. Naja, auch der zweite Wischstreifen testete positiv, aber auf etwas anderes. So richtig verstanden haben wir das bis heute nicht, aber wir durften dennoch gehen. Vielleicht, weil der Bundespolizist dachte, wenn die in die USA fliegen, lassen wir das mal die Sorge von den US-Kollegen sein ... Oder vielleicht sind Ehepaare nicht ganz so verdächtig wie unrasierte(!) alleinreisende Männer.
(Die Tatsache, dass der Laptop Arbeitsrechner ist, mag auch die fälschlich positiven Tests erklären ... evtl. Laborkontamination mit Aminosäuren, Glycerin ... es reichen ja schon Spuren davon!)

Ereignis Nr. 2: Winterwetter in Hannover führte dann dazu, dass unser Flugzeug vorm Start erst noch einmal gründlich enteist werden musste. Kurzum: Wir waren spät dran. 


An sich kein Problem - aber wir hatten in Amsterdam nur eine Stunde planmäßigen Aufenthalt. Das hatte sich dann auf 45 Minuten verkürzt, als wir dort in Amsterdam landeten. Und wenn man in die USA fliegen möchte, muss man vor Abflug ein kurzes Interview über sich ergehen lassen und unsere Visadaten müssen auch noch eingegeben werden. Nun ja, dank langer Schritte schafften wir den Umstieg im nicht gerade kleinen Flughafen von Amsterdam in 20 Minuten.

Ereignis Nr. 3: Wir saßen also noch ein bisschen kurzatmig im Flieger, als sich der Pilot per Durchsage aus dem Cockpit meldete: Ein "secondary sensor" in der Höhenmessung sei defekt, das Ersatzteil funktioniere auch nicht, aber man ist dabei, das zu reparieren. Wir wurden dann tatsächlich ganz gut auf dem Laufenden gehalten und etwa eine Dreiviertelstunde später als geplant hoben wir dann tatsächlich ab. Dank kleinem Monitor mit individuellem Entertainmentprogramm vergehen Flüge meist recht schnell, auch wenn spätestens nach sechs Stunden das Sitzfleisch versagte ... Aber ab dann zähle ich auch eher runter ... Dank direkter Luftlinie nach MSP und ereignislosem Wetterbericht waren wir dennoch nur mit wenigen Minuten Verspätung gelandet.



Dann mussten wir noch noch 

Ereignis Nr. 4 über uns ergehen lassen: die Einreisekontrolle. Haben wir ja nun schon unzählige Male gemacht, aber zumindest ich war die letzten beiden Male mit Icelandair geflogen, die am kleineren Terminal 2 landen. Wie auch immer, die Prozedur ist die gleiche, sobald Alex "research at Mayo Clinic" erwähnt, ist die Einreise praktisch genehmigt. Nur diesmal hatten wir außer Unmengen an Schoki eben auch zwei Tüten Maggi Fix im Gepäck, die ich Döspaddel auch ordnungsgemäß auf die Zollerklärung geschrieben habe. 



Maggi Fix kennt hier leider niemand! Ich musste also zuerst dem Officer bei der Einreise und dann noch einmal dem Zollmenschen erklären, was da so drin ist. "Mainly tomato powder, starch, spices ..." Er lauerte ein bisschen auf "beef" oder "broth" (tierische Produkte sind nicht erlaubt!), aber es war vegetarisch - so sicher war ich mir da nach mehrfacher Nachfrage aber nicht mehr. Kurzum: Wir mussten noch einmal zurück durch  die Zollkontrolle, unser Gepäck wurde gescannt, aber im Gegensatz zu anderen wurde nichts ausgepackt. Ich hätte in diesem Moment auch große Schwierigkeiten gehabt, die Maggi Fix-Tüten auf Anhieb in zwei großen Koffern zu finden. Außer einer Bonusrunde und fünf Minuten vergangener Lebenszeit ist aber nichts passiert ... 

Wir haben sogar noch Plätze in einem Shuttlebus früher bekommen als gedacht und waren so um sechs Uhr abends Ortszeit wieder in Rochester - nach insgesamt "nur" 17 Stunden Reisezeit. So viel haben wir dann aber auch nicht mehr geschafft: Sachen ausgepackt, Dreckwäsche vor die Maschine geschmissen, Schnökerkram im Schrank verstaut (aus den Augen, aus dem Sinn) ... und dann: Hallo, Bett! Am Mittwoch begann wieder ein normaler Arbeitstag für uns beide.

Zunächst aber mussten wir das Auto von 20cm Schnee befreien, die Ende Dezember hier gefallen waren. Wir haben ja nun mal (leider) keine Garage.

Ringsum geräumt - nur unser Auto steht noch mitten im Schnee.


Was waren wir auch beide froh, dass die Woche für uns eine kurze war - denn abends gingen wir deutlich früher als sonst ins Bett (oder nickerten schon zuvor auf der Couch). Und am 11. Januar, nach dem Wochenende, waren wir beide wieder drin im Alltagstrott.



Wer es noch nicht wusste: Dieser unserer Alltagstrott wird Anfang Mai längerfristig unterbrochen werden. Daher kommen auch meine Eltern von Ende Mai bis Anfang Juni für zwei Wochen zu Besuch, um ihr Enkelkind kennenzulernen. Ich hoffe, deren Anreise wird ereignisloser als unsere! Flüge sind schon gebucht (ein Schnäppchen, verglichen mit Weihnachten) und ESTA genehmigt.

Montag, 20. Juli 2015

Summerly Prime Time TV! As seen on ABC ...

Ich hatte mich vor etwas mehr als einem Jahr schon einmal über die Absonderlichkeiten des US-amerikanischen TV-Programms ausgelassen. Und dabei haben wir noch nicht einmal Kabel, daher entgeht uns Vieles. Aber dies hier war neu, anders - und wir haben wieder einmal rein zufällig eingeschaltet.


ABC ist unter der Handvoll Sender, die wir über unsere digitale Zimmerantenne (aka OTA Broadcast) bekommen, und läuft von den großen Sendern am zuverlässigsten (CBS und Fox je nach Wetterlage, NBC geht gar nicht rein). Wie auch in Deutschland ist das US-Sommerprogramm zweite Wahl, mit vielen Wiederholungen oder einigen Show-Experimenten, die man sich im Herbst nicht traut. Denn man kann laue Sommerabende auch ohne Fernsehen verbringen, das weiß jeder und machen viele.

Wie auch immer, Alex und ich saßen dennoch vor dem Fernseher, vermutlich, weil der Sommerabend nicht lau genug war. Wir blieben bei ABC hängen, es war Showtime.

Wir sahen: Ein engagiertes Publikum ...



... Moderatoren hinter Sicherheitsglas ...


 ... und einen Ansager mit charismatischer Ansagerstimme ...


... sowie konkurrierende Teams.


Der Hintergrund eben verriet schon den Titel der Show: BATTLEBOTS. Ferngesteuerte Roboter kämpfen gegeneinander. Es geht um den Einzug ins Halbfinale, beide Teams sind im Durchschnitt recht jung, das eine sind Studenten vom MIT. Die können also was.

Alex sagte: "Es ist wir Wrestling, nur in echt und nicht mit Menschen." Stattdessen lassen diese fleischgewordenen Kampfmaschinen jeden Lego-Technik-Kasten vor Neid erblassen. 

Drei Minuten dauert eine Runde, oder bis zum k.o., das heißt, bis einer der beiden Roboter entweder handlungsunfähig zerstört oder bewegungsunfähig ist. Wer sich genauer für die Regeln interessiert, wird hier fündig. 

Der Kampf zwischen Overhaul (der rote Bot) und Bite Force (blau) war sehr spannend ...






 ... nach drei Minuten Kampfzeit musste die Jury ihr Urteil fällen. Trotz starkem Finish des Gegners gewinnt blau.



Der nächste Kampf, die letzte Viertelfinalentscheidung steht an. Das ganze ist übrigens hoch wissenschaftlich - vielleicht wäre in den ersten vier Folgen erklärt worden, wie diese Punkte zustande kommen. So können wir nur raten - vielleicht sind sie erwürfelt worden.
 



Icewave (die Namen gehören zur Show dazu) ist hier der Favorit, geht aber dennoch k.o. (wie ein Käfer auf dem Rücken liegend).

Ich weiß nicht, wie sehr man es den vergangenen Zeilen angemerkt hat, aber ich bin von diesem TV-Programm deutlich faszinierter als ich es von "Major League Eating" war. Bastlertrieb und Ingenieurskunst liegen mir Lego-Kind eben deutlich näher! Vielleicht spielt auch das Ätschi-Bätsch-Gefühl mit hinein, so wie wenn man den mühsam aufgebauten Legoturm des kleinen Bruders umschmeißt. 

Die meisten der Bots sind übrigens modular und zwischen den Kämpfen darf (oder muss, je nach erlittenen Schäden in der Vorrunde) man Teile des Roboters auch verändern. "Ghost Raptor" beispielsweise baute einen "De-Icer" an (der machte nichts anderes als "Icewave" auf Abstand zu halten), um dem rotierenden Doppelblatt als schlagender Waffe zu entgehen.


Man kann schon coole Sachen machen, wenn man Ahnung hat. Bei manchen wurden die Sponsoren eingeblendet, andere scheinen gänzlich selbst in ihren Roboter investiert zu haben. Geld und Zeit (und eine verständnisvolle Frau) vorausgesetzt ...

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Merry Christmas, everyone!!! (The first on our own.)

Jaja, ist schon wieder ein bisschen Zeit vergangen seit meinem letzten Posting ... Und die ein oder andere Kurzreise wartet noch darauf, hier verewigt zu werden. Aber vielleicht finde ich dafür zwischen den Jahren ja noch einmal die nötigen Momente.


Pünktlich zum Ersten Weihnachtsfeiertag oder Christmas Day, wie er hier heißt, mal wieder ein Blogeintrag! Es ist unser drittes Weihnachtsfest seit Blogbeginn und gleichzeitig das erste Mal, dass wir nicht bei unserer Familie in Deutschland sind (wir hätten sonst noch für ein neues Visum zur Botschaft und auf schnelle Bearbeitung hoffen müssen). Schon seltsam ... Aber wir haben versucht, das Beste draus zu machen bzw. sind noch dabei.

Einen Adventskranz (ohne Tanne) hatten wir schon im letzten Jahr. Aber sind die Preise für solche Stumpenkerzen in Deutschland auch so astronomisch hoch? Ich habe ein Schnäppchen gemacht, als ich für den Zweierpack unter $10 bezahlte ...


Advent, Advent, noch kein Lichtlein brennt.

Aber einen eigenen Christbaum - den hatten wir bislang noch nie. Wozu auch. Wir waren zu den Feiertagen ja immer in Deutschland und für die Adventszeit reichte andere Deko.

Künstliche Christbäume, verkaufsfertig mit Unmengen an bunten Lichterketten, gibt es in jedem größeren Supermarkt. Wollten wir nicht. Wenn schon, denn schon. - Ein bereits gefälltes, aufstellfertiges Exemplar? Selbst aussuchen und fällen? Och nöö, kein Bäumchen sollte für uns sterben.

Die Lösung begegnete mir dann in der Floristikabteilung unseren Stammsupermarkts: Ein Tännchen (Norfolk Island Pine, etwa einen Meter hoch) im Topf. Bingo! Die Deko so traditionell wie nur irgendwie möglich.




Strohherzen und -engel haben wir in einem kleinen Dekoladen in Madison, WI entdeckt. Die Sternspitze war ein Geschenk von Kiki (gekauft in SF). Die roten Kugeln und Wollwichtel - das große schwedische Möbelhaus. Schlecht zu sehen, aber vorhanden: bronzene Glöckchenbälle von Target. Alles recht leicht, denn so viel Last darf nicht auf den dünnen Zweiglein lasten.
Außerdem ist die kleinste Lichterkette, die ich finden konnte, dran - mit läppischen 50 Lämpchen. Für das nächste Jahr (falls wir nicht in Deutschland sein sollten) muss ich nur noch lernen, Fröbelsterne zu basteln. Die fehlten mir irgendwie ...


Zur Vorweihnachtszeit durften auch zwei weitere Sachen nicht fehlen: Grippewelle (bis zu einem Drittel meiner Schüler fehlten) und Weihnachtsmarkt. Da Alex von ersterer erwischt worden war, musste Teil 2 ohne ihn stattfinden - in Minneapolis. Mit Glühwein (ich war aber Fahrer ...), gerösteten Mandeln, Bratwurst und Kartoffelpuffern (nach deutschem Rezept - soooo lecker!). Es sollte aussehen wie ein deutscher Weihnachtsmarkt, denn German Christmas Markets sind ein echter Exportschlager, und der Job wurde erledigt. Einzige Unterschiede: Es wurde Eintritt verlangt (regulär $6 für ein Saisonticket, für uns dank Konzertkarten ermäßigt auf $2) und man brauchte für den Erwerb von Alkohol ein Armband, wozu man erst einmal seinen Ausweis vorzeigen musste.

Aber wir hatten Spaß!


Holidazzle Market auf der Peavey Plaza in Downtown Minneapolis.

Selfie mit Glühweintassen und gebrannte Mandeln


Der frühe Schnee von Mitte November hatte sich bis kurz vor Weihnachten wieder in Wohlgefallen aufgelöst. Die Meteorologen des Lokalsenders unseres Vertrauens wurden auch nicht müde zu betonen, wie mild das Weihnachtsfest dieses Jahr sei - bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Dennoch, am 23. Dezember schüttelte Frau Holle ein wenig ihre Federn. Pünktlich zum Fest ...

23. Dezember, 8:30 Uhr ...

Es ist zwar nun wieder eher graubraun als weiß, aber offiziell waren es weiße Weihnachten. Weiße schneematschige Weihnachten.

Hier in den USA bringt Santa Claus die Geschenke ja immer erst in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember. Der Heiligabend wird zum ultimativen Last-Minute-Shopping-Tag (ich muss gestehen, wir waren auch noch einmal kurz los ...). Für etwas mehr Besinnlichkeit am Heiligen Abend (und einige Stunden mit mehr als Zweisamkeit) haben wir Autons und Alex' indischen Kollegen samt Frau eingeladen.

Es gab teilweise typisch deutsches Weihnachtszeug: Apfelmatschkuchen nach dem Rezept meiner Oma zum Beispiel, Stollen ... Baumkuchenspitzen ... Mandelspekulatius ... Pfeffernüsse ...(alles von Aldi), Marzipankartoffeln aus Mamas Care-Weihnachtspaket und eine kleine (*räusper*) Auswahl selbstgebackener Kekse. Kaffee/Tee, nette Gespräche. Eine schöne Art Weihnachten einzuläuten.

*mjam* Nicht im Bild: Der bunte Keks- und Schokiteller

Wir hatten wegen Autons Mädels noch keine Geschenke unter den Baum gepackt, denn Santa war ja noch auf den Weg zu ihnen. Aber als die Gäste wieder ausgeflogen waren, war Bescherung. Und dann gab's Abendessen: Kartoffelsalat (Mamas Rezept) mit Bratfisch. Typisch deutsch (wobei dort eher als Mittagessen).

Vorbescherungsfoto
 
Sieht vielleicht nicht sooo fröhlich aus, aber wir meinen es ernst:

Frohe Weihnachten - ein gesegnetes Fest im Kreise eurer Lieben!



Vom 27.12. bis 1.1. verabschieden wir uns an den Michigansee und Chicago. Wer von dort eine Karte möchte, schicke mir bitte die Antwort auf dieses Rätsel ... ;)

von www.adler-n-subtract.com

Sonntag, 12. Oktober 2014

Resistance was futile - why we finally got a credit card

Seit wir 2012 in die USA gezogen sind, haben wir schon mehrfach einen "Ausländermalus" in Kauf nehmen müssen. Zum Beispiel eine erhöhte Kaution für unsere ersten beiden Wohnungen hier. Unseren Gebrauchtwagen, den der Durchschnittsamerikaner monatlich abstottern würde, bezahlte Alex in bar (von dt. Reserven). Aber immer haben wir unsere Rechnungen fristgemäß bezahlt, unser Konto nie überzogen und mit unserer "Debit Card" unserer Hausbank die täglichen Ausgaben gedeckt. Auch wenn auf dieser Visa draufsteht, wird alles wie bei einer EC-Karte gleich vom Konto abgebucht.

In letzter Zeit bekamen wir regelmäßig Kreditkartenbeantragungsformulare unserer Hausbank unaufgefordert zugesendet. Wir sahen dies als gutes Zeichen, dass so langsam der Ausländermalus verschwinden würde und wir uns gaaanz langsam eine credit history aufgebaut hätten. Dachten wir. Bis Anfang September.

Alex wollte mit seinem "best man" an den Lake Superior, ich aber nicht ohne Auto in Rochester sein. Glücklicherweise gibt es genügend Autovermietungen in der Stadt, die verglichen mit Deutschland auch einen guten Wochenpreis machen. Alex hatte also in der Innenstadtfiliale persönlich ein Auto für die Woche reserviert. So weit, so gut.

Als die beiden das Auto dann an einem Samstagmorgen abholen wollten - gab man ihnen das Auto nicht! US-Führerschein und Debit Card waren nicht gut genug! "Wir haben hier keinen Eintrag zu ihrer Sozialversicherungsnummer", hieß es, "ich kann Ihnen so kein Auto vermieten! Nicht ohne Kreditkarte." Wie bitte??? Auch das Angebot einer erhöhten Kaution, das Alex machte, seinetwegen auch in bar, führte zu nichts. Alex war sprachlos. Und ich auch, nachdem ich die Story etwas ausführlicher, als ich sie hier jetzt schreibe, zu hören bekommen habe.

"You need a credit card!" fasste Matt das Dilemma zusammen. Ich bin ja auch schon etwas länger (so knapp zwei Jahre lang ...) dieser Meinung gewesen. Das Kaufen auf Pump und regelmäßige Abbezahlen baut die hier so wichtige credit history auf. Noch schlechter als "bad credit" ist "no credit", das wussten wir schon vor zwei Jahren. Wir dachten, dass sich dies so langsam erledigt hätte (weil Strom- und Gasrechnungen auch mit der Sozialversicherungsnummer verknüpft sind und wir damit unser Bezahlverhalten dokumentiert glaubten). Aber das war offenbar doch nicht der Fall.

Resistance was futile - jeglicher Widerstand schien nur endgültig zwecklos. Zumindest aus meiner Sicht. Ich knickte ein und beantragte eine Kreditkarte. Nach etlichem (elektronischen!) Papierkram war sie dann neulich in der Post. Ich präsentiere: Meine "Discover it"-Kreditkarte (Wortspiel!)!


Discover it - card.


Alex schaut sich erst einmal an, wie das mit meiner Kreditkarte so anläuft (ich bekomme ein monatliches Statement bzgl. meines credit scores). Er hat sich noch für keine Kreditkarte beworben. Allein der Besitz einer Kreditkarte ist unserer beider Erziehung auch gegenteilig, denn uns wurde beigebracht, nur das Geld auszugeben, das man auch hat. Das scheint nur leider mit dem Amerikanischen Traum so nicht ganz einherzugehen. Daher versuche ich so langsam meinen credit score hochzuschrauben. Wir wissen zwar nicht, wie lange wir noch in den Staaten sind. Unser Auto ist wohl noch gut in Schuss (sagt die Werkstatt regelmäßig) - aber man weiß ja nie, vielleicht streikt der Motor mitten im Minnesota-Winter und wir müssten dann über die Finanzierung eines Neuwagens nachdenken. Viel Spaß mit den Zinssätzen, die ohne credit history fällig werden!


Oder vielleicht wollen oder müssen wir einfach nur einmal wieder ein Auto mieten ...