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Samstag, 16. Januar 2016

International Travel - this time with hiccups ...

Allen, denen ich das noch nicht persönlich wünschen konnte: Ein frohes neues Jahr 2016!


Ups, war ja doch etwas länger still hier. Das Leben hat uns halt voll im Griff. Und außer Alltag ist auch nicht viel passiert hier im Südosten Minnesotas, verlassen haben wir selbigen auch nicht. Doch, Alex war im Dezember zu Fortbildungszwecken in Philadelphia, PA. Er hat aber kaum was von der Stadt gesehen und umso mehr vom Labor an der University of Pennsylvania.

Kaum war Alex wieder da, waren wir auch schon wieder weg - Weihnachten in Deutschland. Meine zwei frei wählbaren Urlaubstage hatte ich auf den 4. und 5. Januar gelegt, so dass wir zwei glatte Wochen reisen konnten: am 22. Dezember ging abends der Flieger nach Paris, sodass wir dann am 23. nachmittags in Hannover landeten. Und von dort ging es am 5. Januar auch wieder zurück in die USA, diesmal über Amsterdam. 

Der Hinflug nach Europa war recht ereignislos und ich bangte nur darum, dass der vor mir s(chw)itzende, schnarchende, wandelnde Herzinfarkt es bis nach Europa schaffen würde. An Schlaf war daher nicht zu denken, zu kurzen Nickerchen haben wir dann die jeweils die lange Umstiegszeit in Paris genutzt. Ich schäme mich nicht zu sagen, dort auf dem Boden geschlafen zu haben - nur vielleicht könnte der Teppich etwas weicher und weniger kratzig sein ...

Wie auch immer, ich bin dann ganz gut und (wie meistens) relativ jetlag-frei in Deutschland angekommen - Alex nicht so. Der hing ganz schön durch. Wie immer haben wir die Zeit mit Familien und Freunden sehr genossen, aber durch die Feiertage vergingen die zwei Wochen auch sehr schnell.


Fast forward also zum 5. Januar, unserem ereignisreichen (Ab-) Reisetag. Wir hatten bei der Buchung die Wahl zwischen einem Flug um sechs Uhr morgens oder einem anderen um elf Uhr vormittags - keine Frage, wir nahmen den zweiten. So konnten wir noch mit meinen Eltern gemütlich frühstücken, bevor meine Mutter auf Arbeit verschwand und wir die letzten Sachen packten um uns von meinem Papa zum Flughafen bringen zu lassen. Normalerweise eine dreiviertel Stunde Fahrt.

Wer sich erinnert: Norddeutschland am 5. Januar ... die Straßen waren ein bisschen chaotisch. Kann ja auch niemand damit rechnen, dass es Anfang Januar schneien würde: Wintereinbruch! Nach mehr als drei Jahren in Minnesota lachen wir nur noch darüber ... (Natürlich haben wir hier Schnee, wenn auch in diesem Jahr erst seit Ende Dezember. Und heute beträgt die Tageshöchsttemperatur knackige minus 20°C. Alles eine Frage angemessener Kleidung.) Aber am 5. Januar waren wir froh, dass mein Papa fuhr, den im Straßenverkehr dank seiner ungezählten täglich gefahrenen Kilometer so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Je näher wir Hannover kamen, desto ungeräumter die Straßen. Und ja, ich spreche von der Autobahn! Das letzte (und einzige) Räumfahrzeug hatten wir irgendwo zwischen Walsrode und Schwarmstedt  auf dem Standstreifen fahren sehen ...

Wir kamen dennoch mit massig Puffer am Flughafen Hannover an, denn etwas mehr Zeit hatten wir eingeplant (wir brauchten letztendlich eine halbe Stunde länger, incl. tanken). Die Männer tranken dort noch ihren obligatorischen Kaffee, es gab eine Abschiedsumarmung und dann stellten wir uns an zur Sicherheitskontrolle. 

Ereignis Nr. 1: Wir (und unser Gepäck) hatten den Scanner erfolgreich passiert und ich hatte schon bereits wieder alles eingepackt, als plötzlich einer der Sicherheitsleute auf Alex zukam: "Ich mache mal bei Ihnen einen Sprengstofftest." Alex' Hosenbund und sein Laptop wurden mit einem Teflonband abgewischt, selbiges wurde zur Analyse in eine Maschine geschoben und .... piep piep piep: "Positiv!" Der Sicherheitsmann meinte dann zu Alex: "Öh, ja, warten Sie mal hier, ich muss mal meinen Kollegen von der Bundespolizei dazuholen, der wird mit Ihnen sprechen wollen." Besagter Kollege tauchte auf, sprach mit Alex, währenddessen wurde sein Laptop ein zweites Mal gescannt und abgewischt ... Zu dem Zeitpunkt hatten wir noch eine halbe Stunde bis zum Boarding, aber als der Bundespolizist dann ebenfalls auf seine Uhr schaute, sah ich uns schon den Flieger verpassen. Alex hingegen, so erzählte er mir später, hatte eher Angst darum, dass sie den Laptop, seinen Arbeitsrechner mit allen Daten, sprengen würden. Naja, auch der zweite Wischstreifen testete positiv, aber auf etwas anderes. So richtig verstanden haben wir das bis heute nicht, aber wir durften dennoch gehen. Vielleicht, weil der Bundespolizist dachte, wenn die in die USA fliegen, lassen wir das mal die Sorge von den US-Kollegen sein ... Oder vielleicht sind Ehepaare nicht ganz so verdächtig wie unrasierte(!) alleinreisende Männer.
(Die Tatsache, dass der Laptop Arbeitsrechner ist, mag auch die fälschlich positiven Tests erklären ... evtl. Laborkontamination mit Aminosäuren, Glycerin ... es reichen ja schon Spuren davon!)

Ereignis Nr. 2: Winterwetter in Hannover führte dann dazu, dass unser Flugzeug vorm Start erst noch einmal gründlich enteist werden musste. Kurzum: Wir waren spät dran. 


An sich kein Problem - aber wir hatten in Amsterdam nur eine Stunde planmäßigen Aufenthalt. Das hatte sich dann auf 45 Minuten verkürzt, als wir dort in Amsterdam landeten. Und wenn man in die USA fliegen möchte, muss man vor Abflug ein kurzes Interview über sich ergehen lassen und unsere Visadaten müssen auch noch eingegeben werden. Nun ja, dank langer Schritte schafften wir den Umstieg im nicht gerade kleinen Flughafen von Amsterdam in 20 Minuten.

Ereignis Nr. 3: Wir saßen also noch ein bisschen kurzatmig im Flieger, als sich der Pilot per Durchsage aus dem Cockpit meldete: Ein "secondary sensor" in der Höhenmessung sei defekt, das Ersatzteil funktioniere auch nicht, aber man ist dabei, das zu reparieren. Wir wurden dann tatsächlich ganz gut auf dem Laufenden gehalten und etwa eine Dreiviertelstunde später als geplant hoben wir dann tatsächlich ab. Dank kleinem Monitor mit individuellem Entertainmentprogramm vergehen Flüge meist recht schnell, auch wenn spätestens nach sechs Stunden das Sitzfleisch versagte ... Aber ab dann zähle ich auch eher runter ... Dank direkter Luftlinie nach MSP und ereignislosem Wetterbericht waren wir dennoch nur mit wenigen Minuten Verspätung gelandet.



Dann mussten wir noch noch 

Ereignis Nr. 4 über uns ergehen lassen: die Einreisekontrolle. Haben wir ja nun schon unzählige Male gemacht, aber zumindest ich war die letzten beiden Male mit Icelandair geflogen, die am kleineren Terminal 2 landen. Wie auch immer, die Prozedur ist die gleiche, sobald Alex "research at Mayo Clinic" erwähnt, ist die Einreise praktisch genehmigt. Nur diesmal hatten wir außer Unmengen an Schoki eben auch zwei Tüten Maggi Fix im Gepäck, die ich Döspaddel auch ordnungsgemäß auf die Zollerklärung geschrieben habe. 



Maggi Fix kennt hier leider niemand! Ich musste also zuerst dem Officer bei der Einreise und dann noch einmal dem Zollmenschen erklären, was da so drin ist. "Mainly tomato powder, starch, spices ..." Er lauerte ein bisschen auf "beef" oder "broth" (tierische Produkte sind nicht erlaubt!), aber es war vegetarisch - so sicher war ich mir da nach mehrfacher Nachfrage aber nicht mehr. Kurzum: Wir mussten noch einmal zurück durch  die Zollkontrolle, unser Gepäck wurde gescannt, aber im Gegensatz zu anderen wurde nichts ausgepackt. Ich hätte in diesem Moment auch große Schwierigkeiten gehabt, die Maggi Fix-Tüten auf Anhieb in zwei großen Koffern zu finden. Außer einer Bonusrunde und fünf Minuten vergangener Lebenszeit ist aber nichts passiert ... 

Wir haben sogar noch Plätze in einem Shuttlebus früher bekommen als gedacht und waren so um sechs Uhr abends Ortszeit wieder in Rochester - nach insgesamt "nur" 17 Stunden Reisezeit. So viel haben wir dann aber auch nicht mehr geschafft: Sachen ausgepackt, Dreckwäsche vor die Maschine geschmissen, Schnökerkram im Schrank verstaut (aus den Augen, aus dem Sinn) ... und dann: Hallo, Bett! Am Mittwoch begann wieder ein normaler Arbeitstag für uns beide.

Zunächst aber mussten wir das Auto von 20cm Schnee befreien, die Ende Dezember hier gefallen waren. Wir haben ja nun mal (leider) keine Garage.

Ringsum geräumt - nur unser Auto steht noch mitten im Schnee.


Was waren wir auch beide froh, dass die Woche für uns eine kurze war - denn abends gingen wir deutlich früher als sonst ins Bett (oder nickerten schon zuvor auf der Couch). Und am 11. Januar, nach dem Wochenende, waren wir beide wieder drin im Alltagstrott.



Wer es noch nicht wusste: Dieser unserer Alltagstrott wird Anfang Mai längerfristig unterbrochen werden. Daher kommen auch meine Eltern von Ende Mai bis Anfang Juni für zwei Wochen zu Besuch, um ihr Enkelkind kennenzulernen. Ich hoffe, deren Anreise wird ereignisloser als unsere! Flüge sind schon gebucht (ein Schnäppchen, verglichen mit Weihnachten) und ESTA genehmigt.

Sonntag, 12. Oktober 2014

Resistance was futile - why we finally got a credit card

Seit wir 2012 in die USA gezogen sind, haben wir schon mehrfach einen "Ausländermalus" in Kauf nehmen müssen. Zum Beispiel eine erhöhte Kaution für unsere ersten beiden Wohnungen hier. Unseren Gebrauchtwagen, den der Durchschnittsamerikaner monatlich abstottern würde, bezahlte Alex in bar (von dt. Reserven). Aber immer haben wir unsere Rechnungen fristgemäß bezahlt, unser Konto nie überzogen und mit unserer "Debit Card" unserer Hausbank die täglichen Ausgaben gedeckt. Auch wenn auf dieser Visa draufsteht, wird alles wie bei einer EC-Karte gleich vom Konto abgebucht.

In letzter Zeit bekamen wir regelmäßig Kreditkartenbeantragungsformulare unserer Hausbank unaufgefordert zugesendet. Wir sahen dies als gutes Zeichen, dass so langsam der Ausländermalus verschwinden würde und wir uns gaaanz langsam eine credit history aufgebaut hätten. Dachten wir. Bis Anfang September.

Alex wollte mit seinem "best man" an den Lake Superior, ich aber nicht ohne Auto in Rochester sein. Glücklicherweise gibt es genügend Autovermietungen in der Stadt, die verglichen mit Deutschland auch einen guten Wochenpreis machen. Alex hatte also in der Innenstadtfiliale persönlich ein Auto für die Woche reserviert. So weit, so gut.

Als die beiden das Auto dann an einem Samstagmorgen abholen wollten - gab man ihnen das Auto nicht! US-Führerschein und Debit Card waren nicht gut genug! "Wir haben hier keinen Eintrag zu ihrer Sozialversicherungsnummer", hieß es, "ich kann Ihnen so kein Auto vermieten! Nicht ohne Kreditkarte." Wie bitte??? Auch das Angebot einer erhöhten Kaution, das Alex machte, seinetwegen auch in bar, führte zu nichts. Alex war sprachlos. Und ich auch, nachdem ich die Story etwas ausführlicher, als ich sie hier jetzt schreibe, zu hören bekommen habe.

"You need a credit card!" fasste Matt das Dilemma zusammen. Ich bin ja auch schon etwas länger (so knapp zwei Jahre lang ...) dieser Meinung gewesen. Das Kaufen auf Pump und regelmäßige Abbezahlen baut die hier so wichtige credit history auf. Noch schlechter als "bad credit" ist "no credit", das wussten wir schon vor zwei Jahren. Wir dachten, dass sich dies so langsam erledigt hätte (weil Strom- und Gasrechnungen auch mit der Sozialversicherungsnummer verknüpft sind und wir damit unser Bezahlverhalten dokumentiert glaubten). Aber das war offenbar doch nicht der Fall.

Resistance was futile - jeglicher Widerstand schien nur endgültig zwecklos. Zumindest aus meiner Sicht. Ich knickte ein und beantragte eine Kreditkarte. Nach etlichem (elektronischen!) Papierkram war sie dann neulich in der Post. Ich präsentiere: Meine "Discover it"-Kreditkarte (Wortspiel!)!


Discover it - card.


Alex schaut sich erst einmal an, wie das mit meiner Kreditkarte so anläuft (ich bekomme ein monatliches Statement bzgl. meines credit scores). Er hat sich noch für keine Kreditkarte beworben. Allein der Besitz einer Kreditkarte ist unserer beider Erziehung auch gegenteilig, denn uns wurde beigebracht, nur das Geld auszugeben, das man auch hat. Das scheint nur leider mit dem Amerikanischen Traum so nicht ganz einherzugehen. Daher versuche ich so langsam meinen credit score hochzuschrauben. Wir wissen zwar nicht, wie lange wir noch in den Staaten sind. Unser Auto ist wohl noch gut in Schuss (sagt die Werkstatt regelmäßig) - aber man weiß ja nie, vielleicht streikt der Motor mitten im Minnesota-Winter und wir müssten dann über die Finanzierung eines Neuwagens nachdenken. Viel Spaß mit den Zinssätzen, die ohne credit history fällig werden!


Oder vielleicht wollen oder müssen wir einfach nur einmal wieder ein Auto mieten ...

Samstag, 5. Juli 2014

Jury Duty! Jury Duty???

Wenn man nicht drüber nachdenkt, kommen noch weitere Ideen für die Liste der kleinen Dinge, wo Alex und ich den Unterschied zu Deutschland kaum noch bemerken.

13. Drug Commercials. In Deutschland werben Zwillinge für Erkälrungsmittel, hier in den USA werden viel härtere und daher auch verschreibungspflichtige Dinge in der TV-Werbung angepriesen: Antidepressiva beispielsweise. Und statt des eingeblendeten Hinweises "Für Risiken und Nebenwirkungen ..." werden diese hier alle noch im Werbespot genannt: Durchfall, plötzliche Blutungen, Selbstmordgedanken, Krebs ... Da muss man echt ganz schön verzweifelt sein, um das beworbene Mittel nehmen zu wollen, denke ich mir. Dazu auch noch passend: Werbung von Anwaltskanzleien, zum einen lokal, zum anderen aber auch solche, die Sammelklagen anstreben, weil diesesoderjenes Medikament doch riskanter war als gedacht ... "If you or a loved one took [Medikament], and suffered a stroke, heart attack or death - call ..."


Themenwechsel.

Montag hatte ich ebenso überraschende wie offizielle Post im Briefkasten. Ich öffnete den Brief und las zunächst einmal das ...



Mein erster Gedanke: "Mist, da bist du doch noch in Deutschland."

Aber dann studierte ich das Formular genauer, befragte Freund Google und siehe da ... Es gibt hier in den USA ja kein Einwohnermeldeamt, sondern die Meldeadresse steht entweder auf dem Führerschein oder der State ID, ausgegeben vom DMV. Gemeinsam mit dem Wählerverzeichnis ist dies der Adresspool für Jury Duty.


Erst der Fragebogen, der auch online ausgefüllt werden konnte, entschied darüber, ob ich mich tatsächlich für den Jury Service qualifiziere (Section A - Qualification Questions). Da ich weder U.S. citizen (Frage 1) noch (permanent) resident (Frage 3) bin, bin ich disqualifiziert.

Aus diesem Grund hätte ich auch nie damit gerechnet, überhaupt einen Brief zu erhalten, der mich zur Jury Duty auffordert, aber augenscheinlich übermittelt die Führerscheinbehörde nur Adressen ohne Zusatzinformationen. Mehr Papierkram für mich.

Ich habe den Fragebogen ausgefüllt und warte nun noch auf den Brief, der mich offiziell befreit. Die schriftliche Bestätigung war auch schon in der Post: "you have been disqualified". Sonst hätte ich auch am Freitag vorm Antrittsdatum eine Hotline anrufen und so mittels Juror Number und PIN erfahren können, ob ich ausgewählt wurde.





Wobei es durchaus mal eine interessante Erfahrung gewesen wäre, in einer Jury zu sitzen. Laut einer Kollegin, die das Vergnügen vor ein paar Monaten hatten, ist das aber recht unspektakulär ...

Samstag, 7. September 2013

First day(s) of school



Fast einen Monat ohne Blogeintrag, da hat wohl der Schlendrian Einzug gehalten. Oder der Heimaturlaub mit anschließendem Stellenantritt. Mittlerweile sind es zwei Wochen, die ich nun wieder unterrichte … back to business, wieder eingeschult oder einfach nur endlich wieder das, was ich gelernt habe …





Okay, wo fange ich an, wenn es darum geht, von meinen ersten Tagen Schule zu berichten ... Am besten bei Schule und Klasse(n) – im Stil eines Unterrichtentwurfs. *diabolisch grins*



Die Lerngruppen

Die Schule ist katholisch, das habe ich wohl oft genug erwähnt,  und hat ihren Namen von der gleichen Person wie auch der Papst. Sie wird von SuS vom Kindergarten (= die deutsche Vorschule) bis zur 8. Klasse besucht oder kurz K-8 – außerdem gibt es noch die preschool (= der dt. Kindergarten). Die ganz Kleinen müssen aber im Gegensatz zu K-8 keine Uniform tragen. Die Altersstufen sind ähnlich wie in Deutschland, d.h. am Ende der 8. Klasse sind alle 14 geworden.



Ich unterrichte in der junior high-Abteilung der Schule in den Klassen 7 und 8. Und da nicht alle, sondern nur auf advanced level oder honors oder AP – kurzum: die Elite. Um die lieben Gymnasialkollegen unter meinen Lesern mal richtig neidisch zu machen und das in etwa zu vergleichen: Stellt euch einen Leistungskurs vor, in dem alle leisten können und wollen. Dazu mit jeweils nur 14 bzw. 15 Schülern. Kurzum: Ein Traum der homogenen, leistungswilligen Lerngruppe! Die ideale Prüfungsklasse jedes Referendars! Naja, mit gelegentlichen pubertären Ausfallerscheinungen darf gerechnet werden – da gibt es keinen Unterschied .



Zu Didaktik und Methodik

Fangen wir mal mit schulsystembedingten Unterschieden an, die die Grundvoraussetzungen bedingen … Standardisierte Tests, meistens mit Multiple-Choice-Fragen, sind in den USA Standard (höhö) – Bildung soll so messbar, vergleichbar, kurzum evaluierbar sein. Und die katholischen Schulen schneiden hier traditionell gut ab. Was mir als sub teacher schon auffiel und jetzt noch viel mehr: Rechnen können sie alle (Und wie! Etwa so schnell wie ich!), aber Kreativität, Lösungen erklären können … Das bleibt da ein wenig auf der Strecke. Aber nicht mit mir! „I love explanations!“ sage ich gerne mit einem gefährlichen Funkeln in den Augen, das insbesondere die achte Klasse mittlerweile zu fürchten gelernt hat. Und anwendungsorientiert versuche ich auch zu arbeiten, was bei purer Algebra (in Klasse 7 lineare Gleichungen und Funktionen, in Klasse 8 wird es dann quadratisch und exponentiell) nicht immer ganz leicht ist. Naja.



Es gibt Online-Zugriff auf die Schulbücher (was echte Klopper sind), so dass die nicht mit nach Hause geschleppt werden müssen. Und mittels Smartboard im Klassenraum kann ich die Buchseite auch gleich für alle lesbar an die Wand projizieren. Notenverwaltung – auch alles online (mit Zugriff für die Eltern!). Und ich hab die Einführungswoche verpasst und muggel mich gerade selbst durch die Programme – am Schuljahresanfang haben auch die sonst sehr hilfsbereiten Kollegen ihren eigenen Kram zu erledigen …



Das erste Kapitel im Buch ist jetzt gerade übrigens nur Review … Da sich das nicht unbedingt aus dem Curriculum erschließen ließ, hänge ich gerade noch ein bisschen in der Luft, wenn Sachen nicht so neu sind, wie ich dachte, sondern doch nur Wiederholung sind – ups!



Das ganze administrative Zeug ist eine Sache, weshalb mir diese Teilzeitstelle (30%) erst einmal vollkommen ausreicht – da muss ich zurzeit nämlich auch noch jede Menge nachholen. Zum anderen finde ich die Tätigkeit auch deshalb voll erschöpfend, weil mein Hirn in den zwei Unterrichtsstunden pro Tag (immer gleich von 10:55 bis 12:30, zuerst die 7., dann die 8.) auf 110% läuft: neue Mathevokabeln, Dinge auf Englisch erklären, Aufgabenstellungen sicherheitshalber doppelt und dreifach lesen, Schülerfragen verstehen … *hechel* Ich bin danach echt alle! Aber würde ich mir den Job nicht zutrauen, hätte ich mich nicht beworben und würde mir nicht zugetraut werden, dass ich den Unterricht auf Englisch packe, hätte ich den Job nicht bekommen (ich weiß, dass es andere Bewerber gab). Naja, ich bin noch nicht wieder bei 100% meiner selbst als Lehrerin, aber auf dem Weg dahin: steep learning curve und so …



Das Drumherum

Ich hatte ja schon erwähnt, dass der Dresscode hier etwas strenger ausfällt. Für den deutschen Junglehrerdress aus Bluse/Hemd und Jeans habe ich letzten Freitag als non  uniform day abwarten müssen. Stoffhose oder Rock ist Pflicht, um als professionell gekleidet durchzugehen. Aber das macht mir eigentlich nichts.

Meinen Klassenraum im Keller/Souterrain des junior high-Traktes teile ich mir mit der Spanischlehrerin, die nachmittags dort unterrichtet. Und während meine Klassen ja recht klein sind, stehen doppelt so viele Tische im Raum, denn in Spanisch sitzen mehr als 25 Schüler drin. Naja, das erleichtert es mir, in deren quatschigen Momenten den Plappermäulern für den Rest der Stunde einen anderen Sitzplatz anzubieten … Bislang reichte das Angebot aus, um Weiterquatschen zu unterbinden. Da sind die Schüler echt auf Zack – jahreslanges Training macht es möglich, dass die Klassendisziplin deutlich höher ist als bei manchem Chaoshaufen, den ich zuvor in Deutschland unterrichtete …

Die Kollegen sind auch sehr nett, am engsten arbeite ich mit den „Klassenlehrern“ der je zwei 7. und 8. Klassen zusammen. In zehn Tagen fährt die junior high komplett nach Eagle Bluff, etwa eine Stunde südlich von Rochester zum Erlebnispädagogikpaket mit zwei Übernachtungen.



Als letztes Stichwort: Lehrerlizenz. Ich bin jetzt erst einmal auf Grundlage meiner deutschen Ausbildung eingestellt worden, soll mich aber auch um die Lizenz in Minnesota kümmern – die Auflagen dazu sind deutlich strenger als z.B. in Texas. Nächste Woche melde ich mich einmal beim Board of Education und schaue, ob ich um die professionelle Evaluation herumkomme, oder ob sie nötig sein wird. Die Liste aller Kurse, die zum Ablegen des Staatsexamens nötig waren, habe ich in Halle netterweise unterschrieben und gestempelt bekommen (zusammengestellt hab ich die zweisprachig gleich selbst) – mit dem Staatsexamen kriegt man das ja nicht. Es wird aber definitiv noch ein Haufen Papierkram fällig werden … *seufz* Und die Verlängerung meiner Arbeitserlaubnis werde ich auch bald noch beantragen müssen. Kostet alles Zeit und Geld – ist wie das Visum. *seufz*





Sorry für die Theorielastigkeit dieses Postings. Wer mehr wissen möchte, was meinen Schulalltag betrifft, darf gerne nachfragen oder kommentieren – für mich ist inzwischen sonnenklar, was Außenstehenden vielleicht nicht verständlich ist …

Dienstag, 6. August 2013

Busy summer schedule



Wie – schon August? Wann ist das denn passiert?




Ich muss gerade einmal schauen, was die letzten Einträge waren: Boston. Ja, da war’s schön. Inzwischen sind wir auch wieder aus Chicago zurück – und wissen jetzt, warum diese Stadt Metropole des Mittleren Westens genannt wird. Leider war kein Fotowetter, es nieselte stets mehr oder weniger - daher hier nur eine Miniauswahl.

Abendstimmung am Lake Michigan in einem Vorort von Chicago

Blick auf Innenstadt mit Lakefront vom Willis Tower (ehem. Sears Tower)

Michigan Ave am Millenium Park

eine "typisch deutsche" Biergartendekoration

Effektspielerei - aber die Möwe gehört nicht zum Denkmal ... ;)



Außerdem kommt es uns so vor, als würden wir inzwischen schon ewig in diesem Apartment wohnen. Vielleicht, weil der Qualitätsunterschied nicht ganz so krass ist wie zwischen Houston und Rochester I. Alex fährt statt mit dem Shuttle jetzt meistens mit dem Fahrrad zur Arbeit. Und ich freue mich auf diese Aussicht vom Schreibtisch aus:

 
Zumbro River mit bike trails



Denn an diesem sitze ich diese Woche nun häufiger – ich muss ein bisschen Mathe-Vokabeln lernen und meine beiden Klassen langzeitplanen. Richtig, ich hab den Job! Ich unterrichte im neuen Schuljahr (ab Ende August) pre-algebra und algebra in Klasse 7 und 8. Das läuft als honors class bzw. advanced level oder auf gut deutsch: die Schlauen. Und es wird bestimmt Spaß machen. Auch wenn mir bis dahin nicht langweilig werden wird … Mathe ist zwar international, aber einige Vokabeln sind es nicht und der Aufbau des Unterrichts unterscheidet sich auch ein wenig. Aber ich bin zuversichtlich. Leider verpasse ich die Kennenlerntage, denn da sind wir noch in Deutschland. Ach ja, bezüglich meiner Lehrerlizenz: Ich brauche eine Aufstellung aller meiner Klasse und Kurse von der Uni (und hoffe, die zu bekommen, wenn ich nach Voranmeldung per Mail persönlich da bin – und sei es nur den Stempel auf das, was ich vorbereitet habe) und dann muss ich abwarten, was das Minnesota Department of Education daraus macht. Schlimmstenfalls muss ich einige Kurse nachstudieren, habe dafür aber bis zu fünf Jahre Zeit. Und die Schule bzw. die Direktorin persönlich ist bereit, mich nach Kräften zu unterstützen – an meiner Qualifikation zweifeln sie nicht.



Heute in einer Woche sind wir um diese Zeit schon auf dem Flughafen und warten auf den Flieger nach Paris … Ein letztes Mal über CDG fliegen, was wir eigentlich vermeiden wollten. Zum einen wegen der Airfranceritis – so nennen wir die seltsame fiebrige Erkältung, die zuerst Alex und dann mich immer dann erwischt, wenn wir über Paris fliegen. Zum anderen wegen des einen einzigen Sicherheitschecks für alle Gates. Amsterdam hat das m. E. besser gelöst.



In Deutschland wartet auch der Termin bei der US-Botschaft in Berlin auf uns – das Visum will verlängert werden. Am Sonntag haben wir uns den „Spaß“ gegeben uns durch das Antragsformular (alles wie beim Erstantrag …) zu wühlen. Ein kleiner Ausschnitt gefällig …

Man wird animiert "yes" anzukreuzen ...


… den ich mal lieber unkommentiert lasse. Alex war nach 2/3 des Formulars total grantig und ich fühlte mich, als wäre ich gegen eine Wand gelaufen.



Außerdem bereite ich gerade auch noch unsere Shopping List für Deutschland vor. Sie wird zwar nicht lang, ist aber ein eigenes Posting wert. 




Und das kommt, bevor wir in Deutschland sind – versprochen.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

My very own paperwork



Es ist Dezember! Wie schnell doch die Zeit vergeht!

Heute ist wieder einer dieser (bislang sehr seltenen) Tage, wo es grau in grau ist und vor allem die Wohnung so gar nicht richtig hell wird. *bäh* Bei schönem Wetter hätte ich versucht, den höchsten Punkt der weiteren Innenstadt zu finden und von dort aus Fotos zu machen, aber diese Brühe gibt einfach kein vernünftiges Licht. Einhellige Meinung aller Einheimischen ist übrigens, dass es im Moment viel zu warm ist und man das hier noch nicht wirklich Winter nennen kann. Matt hingegen schimpft über die derzeitigen Temperaturen um den Gefrierpunkt als „f*cking freezing cold“. Der Wind kann aber auch wirklich unangenehm sein. Ansonsten: Ich hab meinen schweren schwarzen Mantel noch nicht ausgepackt …



Um mich zu beschäftigen, werde ich meine Weihnachtsbäckerei nachher noch fortsetzen, dem Wetter entsprechend Suppe bzw. Eintopf kochen und Wäsche waschen. Seit gestern sind wir auch stolze Besitzer einer Wäscheleine, denn wir mussten leider schon empirisch feststellen, dass einigen Wollsachen der Trockner nicht bekommt … Wahrscheinlich werden wir eine Ecke unseres Balkons „bespannen“.

Außerdem hatte ich am Dienstagabend mein erstes Vorstellungsgespräch hier – es geht um „tutoring“ bzw. Nachhilfe. Mathe ist überall Mangelfach … nur das hiesige System ist etwas anders, von den Fachvokabeln mal ganz zu schweigen. Deshalb möchte ich nicht gleich Vollzeit in die Schule geworfen werden, sondern halte Nachhilfe für einen ganz guten Start. Rückmeldung kommt binnen einer Woche, bis dahin heißt es warten.



Bevor ich an einer hiesigen Schule unterrichten darf, brauche ich ohnehin die Minnesota Teaching License. Laut meinem Bruder sind die beiden deutschen Staatsexamen dafür eigentlich schon überqualifizierend – aber er entscheidet darüber ja (leider) nicht. Daher habe ich Anfang der Woche den nötigen Papierkram für eine foreign credential evaluation. Es gibt verschiedene Agenturen, die diesen Service anbieten, das heißt zu schauen, was ich für eine (universitäre) Ausbildung habe, welche Veranstaltungen ich besucht habe und wie gut ich insgesamt abgeschnitten habe. Die Uni Halle war bzgl. des „nicht-modularisierten Lehramts“ nicht besonders hilfreich, daher hoffe ich einfach mal, dass Education International, Inc. auch nur anhand der Zwischenprüfungszeugnisse und beider Staatsexamen zu dem gleichen Schluss kommt wie mein Bruder. Mit 80$ war die Evaluierung relativ günstig, ich hoffe, dass ich da nicht später noch „draufzahlen“ muss. Ich glaube allerdings, dass der Spaß damit noch nicht zu Ende ist, sondern ich noch einen Test in Writing, Reading und Math bestehen muss.



Der zweite Berg an Papierkram, den ich diese Woche losgeschickt habe, betrifft die Verlängerung meiner Arbeitserlaubnis. Dummerweise ist die Länge selbiger immer an das DS-2019 (Grundlage des Visums; zeigt, dass Alex hier PostDoc ist und was er verdient) gekoppelt. Und da dies bislang immer auf ein Jahr befristet war, muss auch ich jährlich für 380$ meine Arbeitserlaubnis verlängern … Jetzt gerade ist das besonders ärgerlich, weil ich noch gar kein Jobangebot habe. Andererseits brauche ich die Arbeitserlaubnis für ein Jobangebot, wer würde mich – längerfristig – einstellen, wenn ich nur bis Mitte Februar arbeiten darf. Ihr seht, da beißt sich die Katze in den Schwanz … Und da der Papierkram etwas Zeit braucht, habe ich die Unterlagen schon jetzt losgeschickt. Ich hoffe, sie sind vollständig, die „Anleitung“ ist da nämlich teilweise widersprüchlich.

Ach ja, die schriftliche Führerscheinprüfung habe ich bislang immer vor mir hergeschoben. Sie soll aber, das Gespräch am Dienstag kam darauf, echt einfach sein. "Nehme das Schlimmste an - du darfst nichts." soll wohl eine gute Taktik sein. Also dann, morgen oder spätestens nächste Woche geht's los mit "application" und "written test". Vorm Schnee (oder vor Weihnachten) noch die praktische Prüfung - wäre noch besser. Wir werden sehen, ob das möglich ist.



Und während es heute noch gar nicht richtig hell wurde, wird es abends nicht mehr richtig dunkel. Grund ist die LED-Weihnachtsdekoration in vielen Vorgärten oder auf Balkonen. Erfreulicherweise halten sich unsere Nachbarn (im Sinne von: das Viertel, auf das wir schauen) noch relativ zurück. Im entfernten Südosten dachten wir zuerst an einen Polizeieinsatz – aber es ist nur der hohe Blauanteil in der blinkenden Beleuchtung. Wir wollten noch einmal eine Fototour durchs Viertel machen, so lange muss das hier reichen:

Unser "central piece" und Lichtquelle.

Nachbars zur rechten ...

... gegenüber ...

... und zur linken Seite.


Vorankündigung: Heute in zwei Wochen beginnt unsere Reise nach Deutschland. Da Flüge von Minneapolis nach Houston (und dann von dort aus wie im Mai gebucht nach Deutschland) günstiger waren, als den Abflugort von Houston IAH auf Minneapolis MSP umzubuchen, dauert unsere Reise einen Tag länger als gedacht. Dank Zeitverschiebung sollten wir am 22.12. abends bei meinen Eltern ankommen, die Woche um den Jahreswechsel herum dann in Halle sein und abschließend noch einmal bei meinen Eltern aufschlagen - sie haben einfach mehr Platz. Unser Rückflug nach Deutschland geht am 11.1.13 von Hannover aus.