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Freitag, 8. April 2016

"Babymoon": Duluth/North Shore, winter edition

"Honeymoon" ist die US-Entsprechung für die Flitterwochen, passend dazu gibt es auch den Begriff des "Babymoon", den letzten Urlaub vor Kind(ern). Eine Bekannte aus der Centering-Gruppe flog dazu mit ihrem Mann für ein paar Tage in den Südwesten nach Arizona (Sonne tanken), Alex und ich hingegen nach Norden. Unser Ziel war wieder einmal der Lake Superior.


Arizona hätte mit Sicherheit das angenehmere Wetter gehabt. In Duluth waren wir hingegen froh über einen Platz in der beheizten Tiefgarage unseres Hotel-Resorts. Unser Zimmer hatte einen Balkon direkt am und mit Blick über den Lake Superior. Hammer! Freitag abend kamen wir allerdings zu spät an, um diese Aussicht noch genießen zu können.

Dafür dann aber Samstag früh. Alex zog es natürlich gleich auf den Balkon ...


 ... wo er dann allerdings in den 6-8 cm Neuschnee stand, die über Nacht gefallen waren. Dennoch, die Kraft der Sonne war auch schon morgens zu spüren und die Aussicht phänomenal.

(im Hintergrund die Aerial Lift Bridge im Zentrum Duluths)

Kurzum: Da es laut Wetterbericht überwiegend sonnig bleiben sollte, haben wir uns ins Auto gesetzt, sind noch ein bisschen weiter nach Norden gefahren und haben einige - uns bereits bekannte - State Parks an der North Shore auch im Winter bewundern können.

Wir merkten allerdings recht bald: Je weiter nach Nord(ost)en wir fuhren, desto weniger Schnee war gefallen. Dieser Panoramaparkplatz 20-30 km nördlich von unserem Hotel zum Beispiel ... Da lag nicht mehr viel.


 
Unser erster Stopp: Gooseberry Falls State Park. Irgendwie hat diese kahle, kühle Winterlandschaft was für sich ... Schwer zu glauben, dass in wenigen Wochen alles grün(er) sein wird!


Dann natürlich, der obligatorische Blick auf die Gooseberry Falls - oder zumindest einen Abschnitt davon.



Und die Erkenntnis, dass Winterlandschaften (noch) dort existieren, wo es eher schattig bleibt.

Naturkunstwerk aus Eis und Schnee mitten in der Strömung


Im Fluss unterhalb der Wasserfälle standen übrigens auch zwei Angler in Wathosen (und hoffentlich drei Lagen Thermounterwäsche drunter). Ob sie allerdings erfolgreich waren, kann ich nicht sagen ...

Nach unserem Mittagessen in Beaver Bay (ehemals deutsche Siedlung am Lake Superior, heute noch so 170 Einwohner ...), wo Alex den ersten frischen Fisch des Jahres aus dem See hatte (und ich lieber bei Atlantik-Lachs blieb), dachten wir, die paar Kilometer zum Tettegouche State Park könnten wir auch noch dranhängen ... Und das machten wir dann auch.

Auch wenn dieser State Park einer der größten ist und wunderbar zum Wandern geeignet, blieben wir dann doch recht nah am Parkplatz. Erstens waren die Wege nicht überall geräumt und wenn nicht schneeig vereist, dann zumindest matschig; und zweitens: ganz ehrlich, schon 10 Treppenstufen hoch und ich klinge wie eine Dampflok ...

Und zum Shovel Point (die braune Landzunge am Horizont) wären es etliche Stufen mehr gewesen ...


An der Mündung des Knife River wartete ein dicker fetter Schneepanzer noch aufs Abtauen ...


... während keine 50 Meter weiter kein Schnee weit und breit zu sehen war.



Der letzte Stopp des Tages war dann (wieder auf dem Rückweg) der Split Rock Lighthouse State Park mit Blick auf den gleichnamigen Leuchtturm, das meist fotografierte Objekt der north shore. Auch wenn die Gegend gottverlassen aussieht, wir waren wieder keine 5 Minuten Fußweg vom Auto weg. (Weiter hätte mich Alex auch gar nicht gehen lassen.)



Zurück im Hotel stellten wir zunächst fest, dass der Schnee vom Balkon komplett geschmolzen war und - oh, guck mal, da fährt was vorbei ..


Am liebsten hätten wir ja das Meeres- Seerauschen eingetütet und zurück mit nach Rochester genommen, aber hier haben wir ja immerhin den Fluss (Zumbro River) unterm Schlafzimmerfenster. Trotzdem ... Selbiges hatte über Nacht deutlich aufgefrischt (wir hatten die Balkontür einen Spalt weit aufgelassen).

Wir wussten dann auch, dass es eine gute Entscheidung gewesen war, am Samstag das gute Wetter zu nutzen. Wobei es gegen die stürmische See auch nichts auszusetzen gibt ...
 
Aber die fehlende Sonne und Temperaturen um den Gefrierpunkt am ersten Aprilwochenende sind halt auch für north shore-Erfahrene ungewohnt. (In Rochester war es an dem Tag übrigens 20° wärmer und selbst frostköddelige Freunde trugen T-Shirt ...) 

Daher hatten wir auch nichts dagegen, der Küste fernzubleiben und liefen etwas windgeschützter am Baywalk entlang.

Baywalk. Zeigt auch, wie sehr Duluth am Berg gebaut ist.

 Schlussendlich landeten wir aber doch wieder am Lake Superior mit einer echt norddeutsch "steifen Brise".

Duluth Lakewalk: Hafeneinfahrt zu den Twin Ports

Treibgut an der Ostsee, nein, immer noch am Lakewalk von Duluth. (Ich meine das Holz, nicht den Kerl.)

Sonntag abend waren wir dann auch nicht mehr groß unterwegs, sondern sind in Downtown Duluth geblieben (nach einmal Ohren wärmen und einem für unsere Verhältnisse eher frühem Abendessen in der Canal Park Brewery) und haben Batman vs. Superman im Kino gesehen. Seit langem mal wieder in 3D (wäre allerdings nicht nötig gewesen).

Noch einmal schlafen - in Sicht- und Hörweite zum See und dann hieß es am Montag morgen Abschied nehmen vom Lake Superior und unserem Babymoon.



Dafür können wir ja bald "Baby Tish" in den Armen halten ...


 

Samstag, 16. Januar 2016

International Travel - this time with hiccups ...

Allen, denen ich das noch nicht persönlich wünschen konnte: Ein frohes neues Jahr 2016!


Ups, war ja doch etwas länger still hier. Das Leben hat uns halt voll im Griff. Und außer Alltag ist auch nicht viel passiert hier im Südosten Minnesotas, verlassen haben wir selbigen auch nicht. Doch, Alex war im Dezember zu Fortbildungszwecken in Philadelphia, PA. Er hat aber kaum was von der Stadt gesehen und umso mehr vom Labor an der University of Pennsylvania.

Kaum war Alex wieder da, waren wir auch schon wieder weg - Weihnachten in Deutschland. Meine zwei frei wählbaren Urlaubstage hatte ich auf den 4. und 5. Januar gelegt, so dass wir zwei glatte Wochen reisen konnten: am 22. Dezember ging abends der Flieger nach Paris, sodass wir dann am 23. nachmittags in Hannover landeten. Und von dort ging es am 5. Januar auch wieder zurück in die USA, diesmal über Amsterdam. 

Der Hinflug nach Europa war recht ereignislos und ich bangte nur darum, dass der vor mir s(chw)itzende, schnarchende, wandelnde Herzinfarkt es bis nach Europa schaffen würde. An Schlaf war daher nicht zu denken, zu kurzen Nickerchen haben wir dann die jeweils die lange Umstiegszeit in Paris genutzt. Ich schäme mich nicht zu sagen, dort auf dem Boden geschlafen zu haben - nur vielleicht könnte der Teppich etwas weicher und weniger kratzig sein ...

Wie auch immer, ich bin dann ganz gut und (wie meistens) relativ jetlag-frei in Deutschland angekommen - Alex nicht so. Der hing ganz schön durch. Wie immer haben wir die Zeit mit Familien und Freunden sehr genossen, aber durch die Feiertage vergingen die zwei Wochen auch sehr schnell.


Fast forward also zum 5. Januar, unserem ereignisreichen (Ab-) Reisetag. Wir hatten bei der Buchung die Wahl zwischen einem Flug um sechs Uhr morgens oder einem anderen um elf Uhr vormittags - keine Frage, wir nahmen den zweiten. So konnten wir noch mit meinen Eltern gemütlich frühstücken, bevor meine Mutter auf Arbeit verschwand und wir die letzten Sachen packten um uns von meinem Papa zum Flughafen bringen zu lassen. Normalerweise eine dreiviertel Stunde Fahrt.

Wer sich erinnert: Norddeutschland am 5. Januar ... die Straßen waren ein bisschen chaotisch. Kann ja auch niemand damit rechnen, dass es Anfang Januar schneien würde: Wintereinbruch! Nach mehr als drei Jahren in Minnesota lachen wir nur noch darüber ... (Natürlich haben wir hier Schnee, wenn auch in diesem Jahr erst seit Ende Dezember. Und heute beträgt die Tageshöchsttemperatur knackige minus 20°C. Alles eine Frage angemessener Kleidung.) Aber am 5. Januar waren wir froh, dass mein Papa fuhr, den im Straßenverkehr dank seiner ungezählten täglich gefahrenen Kilometer so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Je näher wir Hannover kamen, desto ungeräumter die Straßen. Und ja, ich spreche von der Autobahn! Das letzte (und einzige) Räumfahrzeug hatten wir irgendwo zwischen Walsrode und Schwarmstedt  auf dem Standstreifen fahren sehen ...

Wir kamen dennoch mit massig Puffer am Flughafen Hannover an, denn etwas mehr Zeit hatten wir eingeplant (wir brauchten letztendlich eine halbe Stunde länger, incl. tanken). Die Männer tranken dort noch ihren obligatorischen Kaffee, es gab eine Abschiedsumarmung und dann stellten wir uns an zur Sicherheitskontrolle. 

Ereignis Nr. 1: Wir (und unser Gepäck) hatten den Scanner erfolgreich passiert und ich hatte schon bereits wieder alles eingepackt, als plötzlich einer der Sicherheitsleute auf Alex zukam: "Ich mache mal bei Ihnen einen Sprengstofftest." Alex' Hosenbund und sein Laptop wurden mit einem Teflonband abgewischt, selbiges wurde zur Analyse in eine Maschine geschoben und .... piep piep piep: "Positiv!" Der Sicherheitsmann meinte dann zu Alex: "Öh, ja, warten Sie mal hier, ich muss mal meinen Kollegen von der Bundespolizei dazuholen, der wird mit Ihnen sprechen wollen." Besagter Kollege tauchte auf, sprach mit Alex, währenddessen wurde sein Laptop ein zweites Mal gescannt und abgewischt ... Zu dem Zeitpunkt hatten wir noch eine halbe Stunde bis zum Boarding, aber als der Bundespolizist dann ebenfalls auf seine Uhr schaute, sah ich uns schon den Flieger verpassen. Alex hingegen, so erzählte er mir später, hatte eher Angst darum, dass sie den Laptop, seinen Arbeitsrechner mit allen Daten, sprengen würden. Naja, auch der zweite Wischstreifen testete positiv, aber auf etwas anderes. So richtig verstanden haben wir das bis heute nicht, aber wir durften dennoch gehen. Vielleicht, weil der Bundespolizist dachte, wenn die in die USA fliegen, lassen wir das mal die Sorge von den US-Kollegen sein ... Oder vielleicht sind Ehepaare nicht ganz so verdächtig wie unrasierte(!) alleinreisende Männer.
(Die Tatsache, dass der Laptop Arbeitsrechner ist, mag auch die fälschlich positiven Tests erklären ... evtl. Laborkontamination mit Aminosäuren, Glycerin ... es reichen ja schon Spuren davon!)

Ereignis Nr. 2: Winterwetter in Hannover führte dann dazu, dass unser Flugzeug vorm Start erst noch einmal gründlich enteist werden musste. Kurzum: Wir waren spät dran. 


An sich kein Problem - aber wir hatten in Amsterdam nur eine Stunde planmäßigen Aufenthalt. Das hatte sich dann auf 45 Minuten verkürzt, als wir dort in Amsterdam landeten. Und wenn man in die USA fliegen möchte, muss man vor Abflug ein kurzes Interview über sich ergehen lassen und unsere Visadaten müssen auch noch eingegeben werden. Nun ja, dank langer Schritte schafften wir den Umstieg im nicht gerade kleinen Flughafen von Amsterdam in 20 Minuten.

Ereignis Nr. 3: Wir saßen also noch ein bisschen kurzatmig im Flieger, als sich der Pilot per Durchsage aus dem Cockpit meldete: Ein "secondary sensor" in der Höhenmessung sei defekt, das Ersatzteil funktioniere auch nicht, aber man ist dabei, das zu reparieren. Wir wurden dann tatsächlich ganz gut auf dem Laufenden gehalten und etwa eine Dreiviertelstunde später als geplant hoben wir dann tatsächlich ab. Dank kleinem Monitor mit individuellem Entertainmentprogramm vergehen Flüge meist recht schnell, auch wenn spätestens nach sechs Stunden das Sitzfleisch versagte ... Aber ab dann zähle ich auch eher runter ... Dank direkter Luftlinie nach MSP und ereignislosem Wetterbericht waren wir dennoch nur mit wenigen Minuten Verspätung gelandet.



Dann mussten wir noch noch 

Ereignis Nr. 4 über uns ergehen lassen: die Einreisekontrolle. Haben wir ja nun schon unzählige Male gemacht, aber zumindest ich war die letzten beiden Male mit Icelandair geflogen, die am kleineren Terminal 2 landen. Wie auch immer, die Prozedur ist die gleiche, sobald Alex "research at Mayo Clinic" erwähnt, ist die Einreise praktisch genehmigt. Nur diesmal hatten wir außer Unmengen an Schoki eben auch zwei Tüten Maggi Fix im Gepäck, die ich Döspaddel auch ordnungsgemäß auf die Zollerklärung geschrieben habe. 



Maggi Fix kennt hier leider niemand! Ich musste also zuerst dem Officer bei der Einreise und dann noch einmal dem Zollmenschen erklären, was da so drin ist. "Mainly tomato powder, starch, spices ..." Er lauerte ein bisschen auf "beef" oder "broth" (tierische Produkte sind nicht erlaubt!), aber es war vegetarisch - so sicher war ich mir da nach mehrfacher Nachfrage aber nicht mehr. Kurzum: Wir mussten noch einmal zurück durch  die Zollkontrolle, unser Gepäck wurde gescannt, aber im Gegensatz zu anderen wurde nichts ausgepackt. Ich hätte in diesem Moment auch große Schwierigkeiten gehabt, die Maggi Fix-Tüten auf Anhieb in zwei großen Koffern zu finden. Außer einer Bonusrunde und fünf Minuten vergangener Lebenszeit ist aber nichts passiert ... 

Wir haben sogar noch Plätze in einem Shuttlebus früher bekommen als gedacht und waren so um sechs Uhr abends Ortszeit wieder in Rochester - nach insgesamt "nur" 17 Stunden Reisezeit. So viel haben wir dann aber auch nicht mehr geschafft: Sachen ausgepackt, Dreckwäsche vor die Maschine geschmissen, Schnökerkram im Schrank verstaut (aus den Augen, aus dem Sinn) ... und dann: Hallo, Bett! Am Mittwoch begann wieder ein normaler Arbeitstag für uns beide.

Zunächst aber mussten wir das Auto von 20cm Schnee befreien, die Ende Dezember hier gefallen waren. Wir haben ja nun mal (leider) keine Garage.

Ringsum geräumt - nur unser Auto steht noch mitten im Schnee.


Was waren wir auch beide froh, dass die Woche für uns eine kurze war - denn abends gingen wir deutlich früher als sonst ins Bett (oder nickerten schon zuvor auf der Couch). Und am 11. Januar, nach dem Wochenende, waren wir beide wieder drin im Alltagstrott.



Wer es noch nicht wusste: Dieser unserer Alltagstrott wird Anfang Mai längerfristig unterbrochen werden. Daher kommen auch meine Eltern von Ende Mai bis Anfang Juni für zwei Wochen zu Besuch, um ihr Enkelkind kennenzulernen. Ich hoffe, deren Anreise wird ereignisloser als unsere! Flüge sind schon gebucht (ein Schnäppchen, verglichen mit Weihnachten) und ESTA genehmigt.

Sonntag, 20. September 2015

Once More: North Shore

Einige werden persönlich mitbekommen haben, dass Alex (wegen einer Konferenz) anderthalb Wochen in Deutschland war und erst Mittwochabend wieder in Rochester angekommen ist. Dieses Mal konnte ich leider nicht mit, da gleichzeitig das Schuljahr anfangen sollte. Auch würden wir das lange Labor Day Wochenende nicht - wie von mir geplant - gemeinsam an der North Shore verbringen können. 


Aber wozu gibt es Freundinnen, dazu noch solche ohne eigenes Auto (geschweige denn einen Führerschein), die froh sind, mal aus Rochester rauszukommen. Und so machten wir uns Freitagabend (wir sprechen vom 4. September) auf zum Girls' Weekend am Lake Superior, und setzten auf dem Weg nach Norden noch Alex am Flughafen MSP ab.

Für uns ging es dann noch weiter nach Norden, bis an den Stadtrand von Duluth, wo wir unsere erste Übernachtung hatten. Wir kamen recht spät an und viel mehr außer einchecken, ins Bad, ins Bett war nicht mehr drin.

Am Samstag morgen ging es erst in den hoteleigenen Swimmingpool (den wir nur für uns hatten) und dann hinein in die Innenstadt (die touristische) von Duluth. Erster Stopp: Aerial Bridge.


Das Wetter in Duluth war schon noch super, so langsam wurde es aber nebeliger und nebeliger - daher fuhren wir weiter nach Norden zum Lax Lake Resort im Hinterland des Lake Superior. Heißt zwar Resort, ist aber auch nur ein Campingplatz, der neben Stellplätzen für Zelt und Wohnwagen auch Hütten oder einfache Zimmer vermietet. Wir hatten letzteres.

Den Samstag waren wir ganz ruhig angegangen, hatten auf der Fahrt von Duluth mehrfach an Aussichtspunkten angehalten und haben auch die Ikone der North Shore, das Split Rock Lighthouse, im gleichnamigen State Park bewundert ...




Nachts gab es ordentlich Gewitter, ich wurde mehrfach von einem hell erleuchteten Zimmer mit deutlichem Donner-Rumms wach. Die armen Seelen in ihren Zelten, dachten wir ...

Sonntag dann wieder wunderbares Wetter! Wir stoppten für den Überblick zunächst am Palisade Head ... Ja, diese unendlichen Wassermassen sind wirklich "nur" ein See!


Wir fuhren dann nach Grand Marais, wo wir (späten) Lunch hatten und ein bisschen auf den Felsen rumturnten - wie nahezu überall an der North Shore ohne Absicherung und auf eigene Gefahr!


Blick auf Grand Marais mit Hafen

Kraxeln auf eigene Gefahr!

Als wir am Sonntag abends dann zurück an den Lax Lake fuhren, hatte ich das Gefühl, in eine dunkle Wand hineinzufahren ... Das Wetter ändert sich schnell hier oben und die nächste Gewitterfront war schon wieder unterwegs, zog aber über den Lax Lake hinweg ohne mehr als ein paar dicke Tropfen angenehmen Spätsommerregens fallen zu lassen. 

Wolken-Bruch

Kurz vor Sonnenuntergang - leicht in lila

Abends/nachts konnten wir dennoch einige Blitze in der Ferne, wohl überm Lake Superior sehen ...

Der Morgen danach, Montag = Labor Day, begrüßte uns mit Sonnenstrahlen und wirklich wunderbarem Wetter. Fast zu schade wieder abreisen zu müssen ...



Wir machten dann auf dem Rückweg nach Rochester noch Halt bei den Gooseberry Falls. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Anfang September so viel Power haben - andererseits hatte es die beiden Nächte zuvor geregnet ... Es war beeindruckend!






Es war dann ein bisschen schwierig, am Dienstag gleich wieder übergangslos in den Schulalltag zu finden. Aber die Schüler haben es mir leicht gemacht: Die (neue) Achte machte gleich da weiter, wo wir im Juni aufgehört hatten, als seien sie nie weggewesen. Und die (neue) Siebte (verstärkt von zwei doppelt beschleunigten Sechstklässler, die aber auch ganz gut reinpassen) ist zwar noch unheimlich ernsthaft, aber Zucker. :)

Samstag, 22. August 2015

Detroit - from a Distance

Ursprünglich hatte ich die knappe Woche in Kanada für mich alleine (um ein postcrossing-Meeting herum) geplant. Dass Alex dann von seinem Chef grünes Licht bekommen hat, damit wir beide zusammen fahren können, war aber auch nicht schlecht. *zwinker*


Wir sind mit dem US-Billigflieger Spirit von MSP nach Detroit geflogen, um Zeit zu sparen. Außerdem haben wir (also ich) jetzt ja eine US-Kreditkarte und konnten uns auf diese Art und Weise einen Wagen mieten, denn wenn man schon in Detroit ist, ist es zu den Niagarafällen auch gar nicht mehr so weit.

Vom Beginn meiner Reiseplanung habe ich schon hin und her überlegt: In Detroit bleiben? Mehrere Nächte? An Detroit haftet noch immer das Image einer Stadt im Niedergang. Zur Höchstzeit knapp zwei Millionen Einwohner, heute nicht einmal mehr 700.000. Spitze nur noch bei der Anzahl der Gewalttaten pro Einwohner, auch "die tödlichste Stadt" genannt. Im Juli 2013 folge die offizielle Pleite der Stadt Henry Fords, Motown, der "Motor City".

Am Flughafen merkt man vom Niedergang nichts. Erst beim Abflug werden wir bemerken, dass jeder Shop ausnahmslos afroamerikanisches Personal hat.

Nach dem Hinflug holten wir unseren Rennkäfer ab (VW Beetle mit 140 PS - huiiiiiiiiii ....) und machen erstmals Bekanntschaft mit dem Highway. Auch hier ist Sommer die Jahreszeit für Straßenbauarbeiten. Und meine Güte, die haben es auch nötig, für manche Schlaglöcher ist die englische Bezeichnung pot hole zutreffender, könnte man einen solchen Topf doch problemlos darin versenken.

Ich fahre, Alex macht Fotos. Wir sind auf der I-94 unterwegs, sicherlich nicht die Toplage ...

Motor City
Vieles wirkt verwahrlos hier in Sichtweite der Interstate. Wir begeben uns hoch auf die Ambassador Bridge, die Detroit und Windsor, Ontario verbindet. 

Was ist dieses Gebäude, durch das man durchgucken zu können scheint? Verlassen? Eine fensterlose Ruine eines ehemaligen Geschäftshauses? Oder doch nur ein Parkhaus?
Alex hat noch einmal recherchiert: Es ist die ehemalige Michigan Central Station, zur Bauzeit der höchste Bahnhof der Welt, seit 1975 unter Denkmalschutz - aber wo das Geld fehlt ... Mehr hier.

Meist fotografierte Ruine der Welt ...


Downtown Detroit scheint sich aus der Entfernung hingegen kaum von zum Beispiel Milwaukee, Wisconsin zu unterscheiden. Alte (= europäisch anmutende) Kirchen, glitzernde moderne Geschäftshochhäuser vor allem in der Nähe des Detroit River.

Im Hintergrund Downtown Detroit

Auch wenn man es nur vom Highway aus nicht sieht und die großen guten Nachrichten noch auf sich warten lassen: Detroit ist mehr als eine einzige Negativschlagzeile. Die Stadt ist wieder im Aufwind, Heimat unzähliger Start-Ups und wenn es mittlerweile sogar einen Whole Foods Market (= hochpreisiger Bioladen) gibt, scheint man zurück im Plan zu sein. Mehr und mehr Viertel gelten als sicher, die Riverfront lockt Bummler für einen Spaziergang an, Museen erinnern an Henry Ford und Motown; zudem hat Detroit Mannschaften in allen vier großen Sportarten (= Football, Eishockey, Basketball und Baseball).

Letztendlich traf dann nur der durchschnittliche Hotelzimmerpreis die Entscheidung gegen eine Nacht in Detroit. Wir blieben auf der kanadischen Seite am anderen Ufer des Detroit River.

So betrachteten wir Detroit from a Distance - am Abend beim besten Fotolicht. Wer weiß, vielleicht kommen wir ja doch noch einmal her.

Detroit from a Distance am Abend

Die Übernachtung in Windsor haben wir schon aufgrund des echt leckeren Abendessens beim Libanesen nicht bereut!

Montag, 3. August 2015

The Big City! Toronto in a day.

Es war durchaus von Vorteil auf dem postcrossing-Meeting einige Ortskundige zu treffen, so hatten wir viele gut gemeinte und auch durchaus nützliche Tipps erhalten, wie man am besten Toronto in einen Tag packt, was man (dazu noch an einem sonnigen Sonntag) am besten sehen sollte.


Tipp Nr. 1 zahlte sich gleich dreifach aus. Dank noch laufender PanAm-Spiele waren Hotelzimmer in Toronto noch teurer als ohnehin schon, so fuhren wir aus Woodstock zwei Stunden in die Stadt hinein. Hallo Großstadtverkehr - ich habe dich nicht vermisst! Der Tipp war, bei der Yorkdale Shopping Mall kostenfrei zu parken und dann gleich mit einem Day Ticket für CAN$ 11 (für zwei Personen) per U-Bahn in die Stadt zu fahren.

Wir ließen uns an der Union Station ausspucken und folgten der Mehrheit in Richtung Harbourfront. Damit können wir auch den Großen See Nr. 4 abhaken, denn den haben wir nun auch zumindest gesehen. Die Harbourfront ist erst in den letzten Jahren wieder revitalisiert worden, viele Parkanlagen wurden eingefügt - dieses Projekt war offenbar erfolgreich, denn es wirkt belebt. Ich möchte allerdings nicht wissen, was an Miete für ein Apartment mit Seeblick fällig wird, sofern es nicht alles nur Büroanlagen sind.

Harbourfront District
Waterfront Trail
Reger Fährverkehr zu den Toronto Islands

Wir bewegten uns entlang des Queens Quay nach Westen, verschlungen kurz ein Sandwich zum Mittag und hatten kurz darauf erstmals Sichtkontakt mit dem CN Tower. Kurz hatten wir überlegt, dort hochzufahren, aber dann online Preise gecheckt - ach nö, lieber doch nicht.

CN Tower. 553 Meter hoch, bei Errichtung in den 1970ern das höchste Gebäude der Welt.

Am Hafen angelegt.
Dank Tagesticket sind wir dann die Spadina Ave in der Straßenbahn hochgefahren - Alex fühlte sich an die alten Tatra-Bahnen erinnert, die es in Halle noch gibt. Auf Höhe von Chinatown stiegen wir aus, kauften zunächst noch günstig Karten und machten uns dann zum Tipp Nr. 2 auf: Kensington Market.

Kensington Market ist ein ganzjährig alternativ  und multikulturelles, wenn auch zunehmend von Gentrifizierung bedrohtes Viertel - mehr hier. In den Sommermonaten verwandelt es sich darüber hinaus zu einem Open Air Festival zwischen Rastafari und Flohmarkt, "Gebt das Hanf frei" und Made in China, mit Straßenmusik und improvisiert wirkenden Fressbuden. Herrlich. Nur: Ein Geheimtipp ist es nicht (mehr). Es ist zwar auto-, nicht aber fahrradfreie Zone und nachdem Alex einmal über ein Rad stolpert und ein anderes Mal fast mitgerissen wird, beenden wir unseren Bummel lieber (leider).

Autofreie Zone Kensington Ave.

Kleine, süße, alte Häuschen.

Mona Lisa Graffiti

Wir waren in Chinatown, das hatte ich schon erwähnt, oder? Da der Norden der Stadt gegenüber dem Lake Ontario leicht erhöht ist, hat man auch von hier einen hervorragenden Blick auf den CN Tower.

Chinatown.

Oberleitungschaos
Zurück laufen wir die Dundas Street entlang (Tipp 3), deren Straßenbild auch von überwiegend älteren Häusern beherrscht wird, bis wir uns östlich der University Avenue (eher ein Boulevard) wieder offiziell in Downtown Toronto befinden.

Dundas Street nahe der Art Gallery of Ontario
Blick auf eine der Nord-Süd-Achsen
Und noch ein bisschen weiter östlich traf dann die Dundas auf die Yonge Street. Und plötzlich dachte ich, ich bin in NYC am Times Square oder in London am Piccadelly Circus ...

Dundas Yonge Square - Torontos Antwort auf den Times Square
Auch hier Menschenmassen, wahrscheinlich weil Touristen gesagt wird, hier müsste man einmal gewesen sein. Irgendein Programm lief auch im Hintergrund, zumindest war ein bemühte Moderator zu hören, nachdem wir dann den selbsternannten Predigern, die das nahende Ende der Welt prophezeien, und anderen Straßenkünstlern entflohen waren.

Wir fanden dann über weniger bevölkerte Straßen den Weg zurück zur Union Station. Dort waren die Hochhäuser teilweise weniger neu, verrieten ein bisschen mehr über die Baugeschichte und was wohl zuerst dort war. Alt steht neben neu, Stein neben Glas.

Alt neben neu.
Wenn ich wüsste, wo ich das Foto gemacht habe, wüsste ich wohl auch, wozu der Turm gehört ...

Torontos Old Town eben.

Es gibt noch so viel mehr, was wir hätten sehen können. Casa Loma. Den Discovery District mit unzähligen Museen. St. Lawrence Market ... Haben wir aber nicht. Trotzdem glauben wir, einen guten Eindruck von Toronto bekommen zu haben.



Und man kann ja immer noch einmal wieder zurück kommen ...

Sonntag, 2. August 2015

At the beach(es) of Lake Erie

Wenn man im Mittleren Westen wohnt, sind die Großen Seen (und in unserem Fall insbesondere Lake Superior) Ersatz für das Meer oder Ozeane. Während wir im Lake Superior mit den Händen drin waren, standen wir in Chicago schon bis zu den Knien im Lake Michigan. Nun also Großer See Nr. 3: Lake Erie.


Der Niagara River mit den Niagara Falls verbindet Lake Ontario im Norden mit dem Lake Erie im Süden. Nach nur einer Übernachtung in Niagara Falls, Ontario haben wir die nächste Nacht in Port Colborne verbracht. Wie der Name schon verrät, ist dies eine Kleinstadt mit Hafen, der auch industriell genutzt wird. Der öffentliche Strand der Stadt ist kostenpflichtig (befahrbar!), schließt aber schon um 20 Uhr.  Wir waren aber erst zum Sonnenuntergang dort und mussten daher mit einem sandstrandfreien Küstenabschnitt vorlieb nehmen.

Port Colborne, links die Marina (Segelschiffhafen).
Am nächsten Morgen Vormittag sind wir auch schon wieder aus Port Colborne aufgebrochen. Entlang der Lakeshore Road zuckelten wir mit Tempo 40 (km/h) nach Westen, vorbei an zahlreichen (Ferien-?) Häuschen bis Villen mit Seeblick vorbei. Für die kurzen Momente, wo die Bebauung mal unterbrochen war, gab es doch tatsächlich unbewachte, leicht zugängliche Strandabschnitte.

Der Strand ist für alle, im Hintergrund wird es exklusiver ...

Augenscheinlich haben diese sogar eine Zufahrtsmöglichkeit mit dem Auto, denn während wir oben in einer größeren Haltebucht geparkt hatten, stand direkt auf dem Strand ein Auto. Nicht allzuweit vom Ufer war ein Boot im Wasser zu sehen, vermutlich gehörte beides zusammen. Und weil man in Kanada noch Vertrauen in die Mitmenschen zu haben scheint, hat man eine rotgepolsterte Bank einfach hinterm Auto stehen lassen. So dachte ich! - - - Bis ich dann realisierte, dass sich dort jemand bäuchlings sonnte - und das vermutlich auch schon länger tat, wenn man nach der Hautfarbe urteilt ...

Nun gut, wir blieben nur kurz an dem Strandabschnitt, aber lange genug um beweisen zu können, dass ich bis zu den Knien im Wasser war!

Herumschwimmendes Grünzeug  - deshalb bin ich weiter rein.

Nur ein kurzes Stückchen weiter westlich war die Siedlung Belleview Beach unser ursprüngliches Ziel für einen Zwischenstopp. Genau genommen lockte uns die Morgan's Point Conservation Area, ein parkähnliches Gelände mit Küstenzugang. Größter Pluspunkt: Wir waren gänzlich allein! Vielleicht auch kein Wunder an einem Wochentag, mitten in der Pampa (wenn auch an der Küste).

Links Lake Erie, im Hintergrund die exklusiven Strandzugänge.

Felsplateau statt Sandstrand
Wir blieben dann erst einmal weiter im Landesinnern, am letzten ganzen Tag in Kanada allerdings, einem Montag, fuhren wir noch einmal an den Strand des Lake Erie. Unser Ziel: Port Stanley. Dort waren wir dann nicht nur bis zu den Knien im Wasser. Mein Mann hat sich allerdings gewünscht, seine Laborbräune und durchtrainierten Oberkörper nicht im Blog bewundern zu dürfen. 

Links im Bild: Alex' Fuß.

Wie man vielleicht anhand des Fotos sieht: Es war an diesem Tag sehr heiß und schwül, man kann in der Entfernung kaum einen Horizont ausmachen. Ideales Strandwetter also! Und Port Stanley scheint sich durchaus auf Tagestouristen eingestellt zu haben (und wurde gleichzeitig zu einem der besten "towns to retire in Canada" gewählt).


Verglichen mit dem Strand der Halkidiki-Halbinsel in Griechenland, wo ich einen Monat zuvor gewesen war, stinkt der Strand des Lake Erie aber ab, unter anderem, weil das Wasser nicht kristallklar war. Und die Strömung war deutlich zu spüren: Die Arme im (dank Sonneneinstrahlung) warmen Wasser, die Beine und Füße im kalten.